Die Zahlen werden jedes Jahr extremer: Seit der Wahl von Donald Trump im November 2024 ist das Vermögen der Milliardär:innen dreimal so schnell gewachsen wie im Durchschnitt der letzten fünf Jahre – gesamthaft auf einen Rekordwert von 18,3 Billionen US-Dollar. Der Anstieg im vergangenen Jahr beträgt 2,5 Billionen US-Dollar – so viel wie die ärmste Hälfte der Weltbevölkerung insgesamt besitzt. Das sind mehr als vier Milliarden Menschen.
Am meisten Vermögenszuwachs können gemäss dem Oxfam-Ungleichheitsbericht die US-Milliardär:innen verbuchen. Doch von den deregulierenden Massnahmen und der Untergrabung von Vereinbarungen zur Erhöhung der Unternehmenssteuern konnten auch Überreiche in anderen Teilen der Welt profitieren.

Abbau der Demokratie
Wer so viel Geld besitzt wie die Elon Musks und Jeff Bezos dieser Welt, kann sich nicht nur ein Leben in Saus und Braus leisten. Auch die politische Macht und Einflussnahme nimmt mit steigenden Ressourcen zu. So ist 4000-mal wahrscheinlicher, dass Milliardär:innen ein politisches Amt bekleiden als Menschen ohne solch grosses finanzielles Polster. Viele Überreiche beeinflussen die öffentliche Meinung auch über ihre Medienkanäle, wie zum Beispiel Mark Zuckerberg über Meta und Musk über X.
Um an der Macht zu bleiben, werden demokratische Prinzipien nach und nach untergraben. Die Gewaltentrennung wird abgebaut, Grundrechte wie das Recht zu Protestieren werden beschnitten, Wahlkämpfe werden mit Unsummen an Geld beeinflusst und andere autoritäre Regierungspraktiken kommen immer häufiger wieder zur Anwendung.
Hunger immer noch an der Tagesordnung
Parallel zur Vermögensanhäufung hungern weltweit immer noch rund 2,3 Milliarden Menschen und sind von einer moderaten bis schweren Ernährungsunsicherheit betroffen. Das sind über 42 Prozent mehr als noch 2015. Zudem muss fast die Hälfte der Weltbevölkerung mit weniger als 8,30 US-Dollar pro Tag auskommen.
Doch das müsste nicht sein, wie ein kürzlich veröffentlicher Expert:innenbericht unter der Leitung von Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph E. Stiglitz zeigt. Im Bericht wird eine Reform des globalen Steuersystems mit wirksamer Mindestbesteuerung von Konzernen und Überrreichen gefordert. Die Botschaft ist klar: Extreme Ungleichheit ist kein unverrückbares Schicksal, sondern das Ergebnis politischer Weichenstellungen – und damit veränderbar.
Grosse Vermögensunterschiede in der Schweiz
In der Schweiz ist der Vermögensunterschiede ebenfalls sehr gross, wie Solidar Suisse im Rahmen des Oxfam-Ungleichheitsberichts für die Schweiz ermittelt hat. Das reichste Prozent besitzt rund 31 Prozent des Vermögens, während die ärmsten 50 Prozent lediglich über knapp 4 Prozent verfügen. Die 41 Milliardär:innen verfügen über ein Gesamtvermögen von rund 197 Milliarden Franken. Ihre Vermögenssteigerung 2025 beträgt damit 14,6 Milliarden.
Auch in der Schweiz sitzen Überreiche im Parlament: Peter Spuhler, Walter Frey, Magdalena Martullo-Blocher. Mit Christoph Blocher hatte sogar ein Milliardär einen Sitz im Bundesrat. Gerade der Aufstieg der SVP seit den 1990er-Jahren ist zum Teil auf die grossen finanziellen Ressourcen durch einige wenige Milliardär:innen zurückzuführen. Die Macht, die von ihnen ausgeht, zeigt sich auch heute noch: So kontrolliert Christoph Blocher heute 24 Gratiszeitungen und beeinflusst damit den politischen Diskurs.
Auch die Finanzierung der Kampagnen von FDP, SVP und Co. zeigen die Einflussnahme von milliardenschweren Konzernen und ihren Verbänden. Während bei Parteien wie der SP Kampagnen hauptsächlich durch Kleinspenden und Mitglieder finanziert werden, sprechen Verbände wie Economiesuisse grosse Summen um Abstimmungen über Steuer- und Wirtschaftsthemen für sich zu entscheiden.