Start Gesellschaft Wachsende Vermögen zementieren Ungleichheiten in der Schweiz

Wachsende Vermögen zementieren Ungleichheiten in der Schweiz

In der Schweiz wächst das Vermögen deutlich schneller als das Einkommen. Damit nimmt die Ungleichheit weiter zu, wie eine neue Studie zeigt.

Foto: Aleksanders Karevs (Unsplash)

Seit Beginn der 2000er-Jahre ist das Vermögen in der Schweiz um durchschnittlich 3,9 Prozent pro Jahr gestiegen, während die Einkommen nur um 2,6 Prozent zugenommen haben. Dazu kommt, dass das Vermögen bei einem kleinen Teil der Bevölkerung konzentriert ist. Die Vermögensungleichheit ist deshalb gross und nimmt weiter zu: In der Schweiz stieg der Vermögensanteil der reichsten Prozent zwischen 2003 und 2022 von 36,6 auf 45,1 Prozent. Mit anderen Worten: Millionär:innen machen 7 Prozent der Steuerzahler:innen aus, besitzen aber 71 Prozent des Gesamtvermögens.

Das zeigt eine neue Studie von Marius Brülhart, Andreas Fuster, Isabel Z. Martínez und Falone Moseka. Sie haben dafür Daten aus der ganzen Schweiz sowie 16,7 Millionen Steuer-Einzeldaten aus den Kantonen Bern und Luzern auf die Verteilung von Privatvermögen, Erbschaften und Schenkungen in der Schweiz über die letzten 25 Jahre analysiert.

Besteuerung von Vermögen sinkt

Auch wenn die Löhne einiger CEOs skandalös hoch sind, ist die Schweiz ein Land, in dem die Einkommen relativ gleichmässig verteilt sind. Die Ungleichheiten zwischen den verschiedenen sozialen Schichten sind daher eher auf das Vermögen zurückzuführen. Laut Wirtschaftsprofessor Brülhart «hat sich die wirtschaftliche Lage derjenigen, die Unternehmensanteile oder Immobilien besitzen, viel schneller verbessert als die derjenigen, die vom Einkommen aus ihrer Arbeit abhängig sind».

Die Besteuerung des Vermögens, das sich auf den Bankkonten der Reichsten ansammelt, würde eine Umverteilung des erwirtschafteten Reichtums ermöglichen, sodass die gesamte Bevölkerung davon profitieren könnte. Aber auch hier schlägt das politische Pendel in die andere Richtung. In ihrer Studie stellen die Autor:innen klar fest, dass «die effektiven Steuersätze auf Vermögen und Erbschaften gesunken sind. Der durchschnittliche effektive Steuersatz auf Vermögen ist von 0,35 Prozent im Jahr 1990 auf 0,28 Prozent im Jahr 2025 gesunken».

Dabei gab es durchaus politische Versuche, diese Ungleichheit zu reduzieren: Erst im November stimmte die Schweiz über die Initiative für eine Zukunft ab. Die JUSO Schweiz wollte mit dieser Initiative Erbschaften ab 50 Millionen Franken zu 50 Prozent besteuern. Und damit sind die Jungsozialist:innen nicht alleine: Der französische Ökonom Gabriel Zucman schlägt vor, eine Steuer von 2 Prozent auf Vermögen von über 100 Millionen einzuführen, wodurch Frankreich 20 Milliarden Euro an Steuereinnahmen erzielen könnte.

Foto: Mika Baumeister (Unsplash)

Zwei irreführende Mythen

Im kapitalistischen System ist der Mythos vom Kapital als Schöpfer von Reichtum allgegenwärtig. Konkret stammt jedoch der gesamte erzeugte Reichtum aus der Arbeit der Angestellten und nicht aus dem Finanz- oder Immobilienkapital der Kapitalbesitzer. Mit anderen Worten: Ohne Arbeit kein Kapital.

Jedes Mal, wenn Vorschläge zur höheren Besteuerung von Vermögen oder Erbschaften eingebracht werden, um die Ungleichheit zu verringern, taucht der Mythos ihres «Wegszugs» wieder auf. Studien zufolge würde jedoch nur ein winziger Teil der Superreichen die Schweiz verlassen, insbesondere aufgrund ihrer politischen und wirtschaftlichen Stabilität.


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