Die Zahlen sind deutlich: Zwischen 2016 und 2025 sank das verfügbare Monatseinkommen einer alleinstehenden Person mit tiefem Lohn um 72 Franken, bei mittleren Löhnen um 51 Franken. Ganz anders sieht es bei den Menschen mit Toplöhnen aus: Die obersten zehn Prozent legten um 142 Franken zu, das oberste Prozent um über 2’200 Franken – und das oberste Promille gar um fast 4’500 Franken pro Monat, wie der neuste Verteilungsbericht des SGB zeigt.
Stagnierende Reallöhne trotz Fachkräftemangel
Obwohl landesweit über fehlende Fachkräfte geklagt wird, stagnierten die mittleren Reallöhne in den letzten acht Jahren praktisch, mit einem Plus von nur 0,1 Prozent. Im Jahrzehnt davor sind sie jährlich um 0,9 Prozent gewachsen. Die Reallöhne des obersten Prozents der Verdienenden stiegen seit 2016 hingegen um sage und schreibe 16,8 Prozent. Profitiert haben laut Bericht vor allem Arbeitgeber und Aktionär:innen: Die Dividendenausschüttungen der SPI-Firmen kletterten in den letzten Jahren auf über 50 Milliarden Franken jährlich. Mittlerweile gibt es über 4’000 Lohnmillionär:innen in der Schweiz.

Geschlechtergraben wird grösser
Besonders betroffen von der schlechten Lohnentwicklung sind Frauen. Der Medianlohn der Frauen liegt mit 5’000 Franken ganze 2’000 Franken unter dem der Männer – bedingt durch Teilzeitarbeit, schlechter bezahlte sogenannte «Frauenberufe» und Diskriminierungen am Arbeitsplatz.
Der Einkommensunterschied hat nicht nur unmittelbare Folgen für die Angestellten, sondern wirkt sich auch im Alter negativ auf das Leben der Frauen aus: Über 11 Prozent müssen bei der Pensionierung direkt Ergänzungsleistungen beantragen. Diese Quote steigt mit zunehmendem Alter weiter an.
Steuersenkungen statt Prämienentlastung
Auch auf Abgabeseite können sich Topverdienende die Hände reiben: Seit 2024 steigt die Zahl der kantonalen Vorlagen, die Steuersenkungen beinhalten, sprunghaft an. Für 2026 sind in acht Kantonen Steuersenkungen geplant oder beschlossen, darunter historische Senkungen in Zürich, Aargau und Luzern. Auf Bundesebene gerät die Steuerprogression durch die neue Individualbesteuerung und die Abschaffung des Eigenmietwerts zusätzlich unter Druck.
Derweil bleibt die Belastung durch Krankenkassenprämien für viele Familien massiv: In den zehn grössten Kantonen zahlt ein Paar mit zwei Kindern trotz Verbilligung mehr als zehn Prozent seines Bruttoeinkommens für die Krankenkasse. Der Gegenvorschlag zur Prämienentlastungsinitiative, der die Kantone seit Januar 2026 stärker in die Pflicht nehmen soll, wirkt bislang nur zögerlich – oft brauchte es erst Volksinitiativen oder parlamentarischen Druck von linken Parteien, damit Kantone überhaupt aktiv wurden.
Forderung: Mindestens 4’500 Franken für alle
Der SGB fordert eine Kehrtwende: Löhne für Vollzeitstellen unter 4’500 Franken sollen künftig verschwinden. Wer einen Lehrabschluss hat, soll mindestens 5’000 Franken verdienen. Zudem fordert der Gewerkschaftsbund, dass die Kantone statt weiterer Steuerprivilegien die Krankenkassenprämien spürbar senken.
jsc