Start International Atomkraft: Die Gefahr eines Super-GAUs ist real

Atomkraft: Die Gefahr eines Super-GAUs ist real

Der Reaktorunfall in Tschernobyl liegt 40 Jahre zurück, der Super-GAU in Fukushima 15 Jahre. Beide Katastrophen veranschaulichen auf schmerzhafte Weise, welche verheerenden Auswirkungen ein Unfall in einem Atomkraftwerk haben kann. Trotzdem soll nun das AKW-Neubauverbot gekippt werden. Nur ein Referendum kann das noch verhindern.

Die havarierten Reaktoren 1 und 2 vom Kernkraftwerk Fukushima mit der Aufschrift «Halte durch, Fukushima!». Foto: Kazuma Obara (Keystone)

Auch wenn die rechtsbürgerlichen Kräfte der Atomkraft ein neues Image verleihen möchten: Die Technologie bringt zahlreiche Probleme mit sich. Neben der Herkunft des Urans, dessen Abbau praktisch überall mit grossem menschlichem Leid und der Missachtung von grundlegenden Menschenrechten einhergeht, bleibt das Risiko eines Super-GAUs – die Kernschmelze – bestehen. Leider hat die Menschheit solche Katastrophen schon erlebt.

Tschernobyl

Neben mehreren partiellen Kernschmelzen vor den 1980er-Jahren kam es 1986 zum Super-GAU im ukrainischen Tschernobyl in der ehemaligen Sowjetunion. Es war der erste Unfall, der von der internationalen Atombehörde der höchsten Stufe 7 zugeordnet wurde. Die Kernschmelze am 26. April kostete gemäss einem 1998 veröffentlichten Bericht des Paul-Scherrer-Instituts 9’000 bis 33’000 Personen das Leben. Greenpeace geht 2006 wegen zunehmender Krebserkrankungen in der Ukraine, Belarus und Russland von weitaus mehr Todesfällen aus.

Seit der Katastrophe von 1986 schützt ein Sarkophag den havarierten Block 4 des Atomkraftwerks. 2016 wurde dieser erneuert und 2019 offiziell in Betrieb genommen. Nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine kam es 2025 zu einem Drohnenangriff bei dem die aufwendige Konstruktion stark beschädigt wurde. Auch das grösste europäische Kernkraftwerk in der ukrainischen Stadt Saporischschja gerät durch russische Angriffe immer wieder in die Schlagzeilen. Bisher wurde weder in Tschernobyl noch in Saporischschja eine gefährliche Freisetzung von Radioaktivität in der Atmosphäre registriert. Die Kriegshandlungen rund um AKW sind aber hoch riskant und halten die Menschen in der Region seit mittlerweile über vier Jahren in Atem.

Fukushima

Die Katastrophe von Tschernobyl jährt sich 2026 zum vierzigsten Mal. Bereits 25 Jahre nach dem ersten Super-GAU löste in Japan ein Tsunami einen zweiten aus. Damit entstand die zweite nukleare Katastrophe auf Höchststufe 7. Auch im Kernkraftwerk von Fukushima kam es in mehreren Reaktorblöcken zu Kernschmelzen. Mehr als 160’000 Personen mussten als Folge des Unfalls evakuiert werden.

Gerade die Katastrophe von Fukushima zeigt: Auch wenn die Befürworter:innen der Atomkraft immer wieder damit argumentieren, dass die Technologien weiterentwickelt wurden und Unfälle praktisch ausgeschlossen werden können – eine hundertprozentige Garantie für Sicherheit gibt es nicht. Bei einer Technologie wie der Atomkraft ist das besonders verheerend, weil ganze Landesteile für lange Zeit unbewohnbar werden können. Flora und Fauna werden verseucht und brauchen Jahre, um sich von der Katastrophe zu erholen.

Die gesundheitlichen Folgen für die Bevölkerung inklusive späterer Generation sind ebenfalls schwerwiegend. Besonders betroffen sind Frauen und Kinder – wie bei allen gefährlichen Ereignissen. Sie sind nicht nur unmittelbar gefährdet, etwa, weil sie weniger gut flüchten können, sondern auch, weil sie die radioaktive Strahlung härter trifft als erwachsene Männer. Zu diesem Schluss kommt ein Bericht von Greenpeace, der die Gender-Komponente der Fukushima-Katastrophe unter die Lupe genommen hat.

Weitere Risiken

Apropos kommende Generation: Ein weiteres Problem von neuen AKW ist auch die Endlagerung von Atommüll. Das radioaktive Material muss während Millionen von Jahren sicher gelagert werden – weltweit gibt es dafür noch keine sichere Lösung.

Doch auch kurzfristig bringt die Atomenergie Probleme für die Schweiz mit sich. Zum einen stieg wegen der nötigen Uran-Importe die Abhängigkeit von Russland und anderen autokratisch regierten Ländern. Wenn die Schweiz beispielsweise russisches Uran kauft, füllt sie damit auch gleich die Kriegskasse von Vladimir Putin.

Zum anderen wäre der Neubau von AKW mit hohen Kosten von mindestens 25 Milliarden verbunden, das zeigt eine Studie des Energiekonzerns Axpo. Der Bau eines neuen AKW könne demnach nicht ohne Subventionen realisiert werden. Geld, das beim Ausbau der günstigen und sauberen erneuerbaren Energien fehlen würde.

Referendum lanciert

Trotz all dieser Gründe wollen der Bundesrat und die bürgerliche Mehrheit im Parlament den 2017 beschlossen Atomausstieg und damit das Neubauverbot von AKW kippen. Nur ein Referendum kann dies jetzt noch verhindern.

jsc


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