Grönland – gefangen zwischen Kolonialismus und Grossmachtpolitik

Die grösste Insel der Welt, Grönland, ist seit Trumps Amtsantritt vor einem Jahr immer stärker ins Visier der internationalen Politik geraten. Wegen «Sicherheitsbedenken» der USA will sich der US-Präsident Grönland einverleiben – obwohl die Insel ein weitgehend autonomes Gebiet innerhalb des dänischen Königreichs ist. In dieser explosiven Gemengelage scheint eine Stimme stets zu kurz zu kommen: die der Grönländer:innen.

Demonstrierende Kinder in Grönland im Januar 2026. Foto: Mads Claus Rasmussen (Keystone, Scanpix)

US-Präsident Trump trampelt das Völkerrecht mit Füssen und setzt nach seinem Angriff auf Venezuela bereits zum nächsten Angriff an: Er will Grönland. Ohne Rücksicht auf Verluste stösst er damit seine bisherigen Verbündeten in Europa vor den Kopf. Auch in Grönland scheint die Bevölkerung keine Lust darauf zu haben, zum Spielball des neofaschistischen und autoritären US-Präsidenten zu werden.

Denn schon die Namensgeschichte verweist auf eine Vergangenheit der Arktisinsel, die stets unter dem Einfluss verschiedenster Mächte stand. Der Name Grönland geht auf die Bezeichnung des Landes durch die Wikinger:innen zurück und bedeutet «Grünland», während die grönländische Bevölkerung ihr Land «Kalaallit Nunaat» (Land der Grönländer) nennt.

Von Zwangssterilisierungen hin zur Selbstverwaltung

Seit 1721 war Grönland eine unbeachtete (überwiegend) dänische Kolonie. Auch nach der Umwandlung in eine dänische Provinz 1953 kam es immer wieder zu Diskriminierungen verschiedenster Art. Grönländische Arbeiter:innen erhielten in den 1960ern aufgrund eines Geburtskriteriums eine schlechter Bezahlung als ihre dänischen Mitbürger:innen, grönländischen Frauen wurden in den 1960er- und 1970er-Jahren zwangssterilisiert. Erst die zunehmende politische Gegenwehr aus Grönland verbesserte die Situation der Bevölkerung schrittweise und mündete 1979 in die Selbstverwaltung. Diese bauten die Grönländer:innen 2009 weiter aus und emanzipierten sich seither stetig weiter von der ehemaligen Kolonialmacht emanzipieren. Bis heute verfügt Dänemark aber in aussen- und sicherheitspolitischen Fragen erhebliche Kompetenzen und Rechte.

Das Verhältnis zwischen Dänemark und der indigenen Bevölkerung der Arktisinsel ist bis heute von Spannungen durchzogen. Anfang letzten Jahres sprach die grönländische Regierung von einer Beziehung an einem «absoluten Nullpunkt», nachdem bekannt wurde, dass grönländische Familien aufgrund von Sprachdiskriminierungen ein siebenmal höheres Risiko haben, das Sorgerecht ihrer Kinder zu verlieren als dänische Familien.

Imperialistische Grossmachtphantasien

Zu diesem bereits schwierigen Verhältnis mit Dänemark kommen nun seit dem zweiten Amtsantritt Trumps imperialistische Annektionsgelüste hinzu. Bereits 1946 wollten die USA den Dän:innen Grönland aus «Sicherheitsbedenken» abkaufen – Dänemark winkte ab, einigte sich allerdings wenig später auf ein Militärabkommen mit den USA. Erst seit Trump US-Präsident ist, steht Grönland erneut offiziell auf der Agenda und die Lage spitzt sich spätestens seit der Entführung des venezolanischen Präsidenten zunehmend zu. Trump interessiert sich dabei weder für den Willen der grönländischen Bevölkerung, die mit überwältigender Mehrheit einen Beitritt zu den USA ablehnt, noch für das Völkerrecht, das Grönland als Teil des dänischen Königreichs anerkennt.

Schweiz muss sich hinter Völkerrecht stellen

Um Trumps Gebaren in Schranken zu weisen, haben nun verschiedene Länder Soldaten nach Grönland geschickt, worauf Trump postwendend mit Strafzöllen drohte, diese am WEF in Davos jedoch vorerst wieder zurücknahm.

Um dieser Politik des Stärkeren Einhalt zu gebieten, muss sich auch die Schweiz konsequent hinter das Völkerrecht stellen. Weil sich der Bundesrat aber lange Zeit in Schweigen hüllte, haben Parlamentarier:innen verschiedener Parteien eine Freundschaftsgruppe Grönland gegründet. Die Aussenpolitische Kommission des Nationalrats fordert zudem eine Erklärung des Nationalrats zu Grönland.

Mittlerweile hat sich auch der Bundesrat aus der Deckung gewagt und sich geäussert: Grönland gehört zu Dänemark.


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