«Die Menschen im Iran bezeichnen es als feministische Revolution»

Im Iran halten die Menschenrechtsverletzungen nach dem Tod von Mahsa Jina Amini durch brutale Polizeigewalt an: Die Proteste gegen das Regime werden weiter mit voller Härte unterdrückt. Diesen Samstag findet in Zürich eine Kundgebung statt. «direkt» hat mit den Organisator:innen über die Ziele und Erwartungen an die Schweiz gesprochen.

Solidaritätskundgebung in Frankreich (KEYSTONE/MAXPPP/Olivier Donnars / Le Pictorium )

Unter dem Leitsatz «Frau, Leben, Freiheit» sollen am Samstag verschiedene Kundgebungen in Schweizer Städten stattfinden. Unter anderem auch in Zürich. Organisiert wird die Demonstration in Zürich von fünf Personen aus der Zivilgesellschaft, die sich selber den Namen «Free Iran Zurich» gegeben haben und anonym bleiben möchten. «Mit dieser Kundgebung wollen wir einen ersten Schritt gehen. Einen Schritt hin zur längerfristigen Begleitung der Bewegung im Iran. Wir wollen eine Plattform für die verschiedenen Stimmen schaffen und diese in die Schweizer Öffentlichkeit tragen», sagt eine der Organisatorinnen im Gespräch. Ausserdem soll die Kundgebung auch der Schweizer Politik eine Bühne bieten, damit Vertreter:innen ihre Solidarität mit der iranischen Bevölkerung zum Ausdruck bringen können.

«Was wir hier erleben, ist eine von den Frauen angeführte Demokratiebewegung – mit dem ziel der Freiheit. Die Menschen im Iran bezeichnen es als feministische Revolution. das ist historisch ein novum.»

MitOrganisatorin der Kundgebung «Frau, Leben, Freiheit» in Zürich

Der Ukraine-Krieg habe in der Schweiz grosse Solidarität ausgelöst. Das sei richtig und schön. Für die Organisator:innen ist jedoch klar: «Die Konflikte im Iran sind komplizierter, aber nicht weniger relevant. Es geht nicht darum, ob Frauen ein Kopftuch tragen wollen oder nicht. Es geht um Freiheit. Darum, dass der Kopftuchzwang symbolisch für das Islamische Regime steht. Indem die Frauen das Kopftuch ablegen, legen sie sich mit dem  Regime an. Das muss in der Schweiz ernst genommen werden.»

Schweiz soll Sanktionen mittragen

Bundespräsident Cassis hat am 5. Oktober nach längerem Schweigen eine Erklärung abgegeben und darin die Gewalt im Iran verurteilt. Er sieht jedoch keinen Bedarf für weitere Sanktionen. Die Organisator:innen der Kundgebung in Zürich finden, dass diese Reaktion nicht reicht. Es brauche mehr als eine lauwarme Erklärung von Bundespräsident Cassis: «Das Problem ist in der Schweiz noch nicht richtig angekommen, weder in der Politik noch in der Öffentlichkeit. Wir haben klare Erwartungen an die offizielle Schweiz: Sperrt das Geld der Verbrecher:innen, tragt die Sanktionen mit und anerkennt die iranischen Schlägertruppen als Terrororganisationen.»

 

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