In der Theorie wissen viele, dass es besser wäre, Steuern regelmässig zurückzulegen. Doch längst nicht alle überweisen monatlich den nötigen Betrag auf ein Sparkonto oder direkt an das Steueramt. Kommt ein unerwarteter, aber kostspieliger Zahnarzttermin dazwischen, lässt man die Rücklagen auch mal fallen. Diese kleine Diskrepanz zwischen Vorsatz und Handlung ist ein Kernmotiv der Verhaltensökonomie – der Present Bias: Die Gegenwart zählt mehr als die Zukunft. Und genau daraus entsteht am Jahresende jener finanzielle Druck, wenn die Steuerrechnung ins Haus flattert.
Einfaches Mittel gegen unnötigen Stress
Dabei gäbe es ein einfaches Mittel, das vielen Menschen diesen unnötigen Stress ersparen könnte: Der freiwillige Steuerabzug direkt vom Lohn. Mit der Einführung des direkten Abzugs könnten jene im Kanton Basel-Stadt, die möchten, einen Teil der Steuern automatisch mit jeder Lohnauszahlung überweisen lassen.
Das Entscheidende ist: Niemand wird verpflichtet. Der Abzug bietet eine Option – vergleichbar mit einer automatischen Abo-Verlängerung, die bewusst und freiwillig angewählt wird. Gerade diese Freiwilligkeit ist aus verhaltensökonomischer Sicht essenziell. Der Nutzen liegt auf der Hand: Mehr Ordnung im Finanzalltag.
Entlastende Wirkung
Psychologisch reduziert der automatische Abzug zudem die kognitive Last – jene Vielzahl kleiner Entscheidungen, die täglich Energie beanspruchen. Eine Entscheidung weniger, das klingt banal. Wenn diese Entscheidung aber eine stressbeladene Steuerrechnung betrifft, zählt sie doppelt. Wer seine Verpflichtungen nebenbei erfüllt, ohne jeden Monat aktiv daran denken zu müssen, erlebt Entlastung.
Hinzu kommt ein zweiter Effekt – die Planbarkeit: Statt einer grossen, punktuellen Zahlung steht ein vertrauter Betrag im Rhythmus des Einkommens. Das ist insbesondere für junge Menschen, die erst damit anfangen, Steuern zu bezahlen, von Vorteil. In der Schweiz geraten viele junge Erwachsene in die Schuldenfalle, weil sie nicht vorhersehen können, wie hoch die Steuerrechnung ausfallen wird.
Kleine Schritte, grosse Wirkung
Der Effekt zeigt sich ganz konkret: Wer Steuern laufend bezahlt, gerät am Jahresende nicht in Rückstand und verringert so das Risiko für angehäufte Schulden. Das stabilisiert die Menschen und ihr Umfeld: weniger Mahnungen, weniger Bürokratie, weniger Unsicherheit. Gemeinden erleben weniger Zahlungsausfälle und die einzelnen Haushalte gewinnen Handlungsspielraum, weil keine grossen Summen mehr auf einmal aufgebracht werden müssen.
Dieses Muster ist in vielen Lebensbereichen erprobt – ob automatische Spareinzahlungen, Krankenkassenprämien oder Pensionskassenbeiträge: Wenn ein Prozess klar, bequem und wiederkehrend ist, passt sich das Verhalten der Menschen langfristig daran an.
Das Referendum zum Steuer-Direktabzug kommt im Kanton Basel-Stadt voraussichtlich am 14. Juni 2026 zur Abstimmung. Die Vorlage basiert auf einer Volksinitiative der SP Basel-Stadt und dem Gegenvorschlag des basel-städtischen Grossen Rats. Die bürgerlichen Parteien haben dagegen das Referendum ergriffen.
