Start Gesellschaft Neuer Oxfam-Bericht zeigt: Schweizer Grosskonzerne heizen Ungleichheit an

Neuer Oxfam-Bericht zeigt: Schweizer Grosskonzerne heizen Ungleichheit an

Eine neue Studie von Oxfam zeichnet ein beunruhigendes Bild: Europas umsatzstärkste Konzerne sind nicht nur wirtschaftliche Giganten – sie sind auch Treiber der wachsenden Ungleichheit. Besonders brisant: Neun der 100 grössten europäischen Unternehmen haben ihren Sitz in der Schweiz.

Foto: Jean-Christophe Bott (Keystone)

Während Konzerne ihre Gewinne steigern und ihre Marktstellung festigen, verschärfen sich entlang ihrer Wertschöpfungsketten die Ungleichheiten. Das zeigt eine neue Oxfam-Studie, die erstmals systematisch untersucht, wie Europas grösste Unternehmen soziale, wirtschaftliche, politische und ökologische Ungleichheiten verstärken. Grundlage der Analyse sind Daten aus den Jahren 2022 bis 2024.

Schweiz als zentraler Konzernstandort

Unter den in den Fokus geratenen Konzernen befinden sich prominente Namen wie Nestlé, Novartis, Roche, UBS und Glencore – alle mit Sitz in der Schweiz. Ihre Entscheidungen prägen weltweit Arbeitsbedingungen, die Verteilung von Gewinnen und den Umgang mit der Klimakrise. Dennoch kennt die Schweiz bis heute noch kein Gesetz für mehr Konzernverantwortung.

Solidar Suisse hat die Zahlen für die Schweiz ausgewertet: So erhalten CEOs von Schweizer Grossunternehmen im Vergleich zu den untersuchten Konzernen deutlich höhere Vergütungen. Während der Lohn eines CEO in der Schweiz 2024 im Schnitt rund 8,3 Millionen betrug, lag er im europäischen Durchschnitt bei knapp 6 Millionen Euro.

Doch auch bei der Gewinnverteilung zeigen sich deutliche Unterschiede. Die Ausschüttungsquote lag im europäischen Schnitt 2024 bei rund 83 Prozent, bei vier der neun untersuchten Schweizer Unternehmen jedoch über 100 Prozent. «Während in der Schweiz über Sparprogramme, Schuldenbremse und die Finanzierung öffentlicher Leistungen diskutiert wird, schütten Europas grösste Unternehmen einen Grossteil ihrer Gewinne an Aktionär:innen aus», kritisiert Solidar Suisse in ihrer Analyse.

Solidar Suisse fordert mehr Transparenz und verbindliche Regeln

Für Solidar Suisse ist klar: Ungleichheit ist kein Naturgesetz, sondern politisch veränderbar. Die Organisation fordert mehr Transparenz bei Gewinnen und Steuern, verbindliche Regeln für Lieferketten sowie strengere Vorgaben für Lobbying. Gleichzeitig sollen grosse Vermögen stärker besteuert werden. Auch die Unternehmen selbst sieht Solidar Suisse in der Pflicht: Sie müssten Gewinne gerechter verteilen, in Löhne und Klimaschutz investieren und ihre Praktiken offener legen.

lal


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