Die Schweizer:innen fliegen immer mehr: Zwischen den Jahren 2000 und 2025 stieg die Anzahl der Flugpassagier:innen an Schweizer Flughäfen auf um 74 Prozent auf 60 Millionen an. Selbst die Corona-Pandemie hat diesem rasanten Wachstum nur kurzzeitig entgegengewirkt, mittlerweile wurde das vor-Corona-Niveau sogar übertroffen. Allein im vergangenen Jahr verzeichnete der Linien- und Charterverkehr in der Schweiz ein Plus von vier Prozent und auch im ersten Quartal 2026 wurde ein erneutes Plus von fünf Prozent verzeichnet.
Ein Ende dieses rasanten Anstiegs ist nicht in Sicht. Im Gegenteil: Das Bundesamt für Zivilluftfahrt geht gar von 78 Millionen Flugpassagier:innen im Jahr 2030 aus – 18 Millionen mehr als heute!
Besonders pikant: Im Vergleich zu unseren Nachbarstaaten flogen Schweizer:innen im Jahr 2019 mit drei Flügen pro Kopf doppelt so häufig wie unsere italienischen (1,7 Flüge pro Kopf), österreichischen (1,5 Flüge pro Kopf), französischen (1,4 Flüge pro Kopf) und deutschen (1,4 Flüge pro Kopf) Nachbarn.
Mobilitätsbon-Initiative soll Ausgleich schaffen
Genau hier setzt die Mobilitätsbon-Initiative an. Sie möchte einen fairen Wettbewerb zwischen Zug und Flug schaffen und das massive Ungleichgewicht ausgleichen. Durch eine Flugticketabgabe von mindestens 30 Franken auf Linienflüge und 500 Franken auf Privatjets soll die Nutzung des ÖV gefördert werden. Mit diesen Abgaben werden Mobilitätsbons für alle finanziert und auch der Ausbau der internationalen Zugangebote vorangetrieben.
Kern dieser Initiative ist das Verursacher:innenprinzip. Das heisst, dass Vielflieger:innen und Reisende in Luxusklassen und Privatjets mit einer fairen Abgabe in die Pflicht genommen werden, ihre Umweltverschmutzung zu kompensieren. Je mehr Emissionen eine Person verursacht, desto höher ist die Abgabe. Denn klar ist: Nur wenn der Flugverkehr auch seinen Beitrag zum Klimaschutz leistet, können die gesteckten Klimaziele der Schweiz erreicht werden.
«Klimakiller» Flugverkehr
Dass dieser Anstieg des Luftverkehrs mit erheblichen Auswirkungen auf das Klima einhergeht, ist unbestritten. Im Jahr 2024 verursachte der nationale und internationale Luftverkehr in der Schweiz 5,62 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente.
Zum Vergleich: Der gesamte restliche Verkehr in der Schweiz verursachte im Jahr 2024 13,3 Millionen Tonnen CO2-Emissionen. Neben den «regulären» Treibhausgasen verursacht der Flugverkehr aber noch weitere zusätzliche Schadstoffe, beispielsweise ultrafeine Russpartikel. Gemäss wissenschaftlichen Erkenntnissen und konservativen Schätzungen muss die Klimawirkung des Flugverkehrs entsprechend mit dem Faktor drei multipliziert werden, wodurch sich ein Wert von 16,86 Millionen Tonnen CO2 ergibt.
Dadurch übertrumpft Luftverkehr allein den gesamten restlichen Verkehr im Emissionsausstoss um über drei Millionen Tonnen CO2-Emissionen. Er ist damit in der Schweiz für über 25 Prozent der Gesamtemissionen verantwortlich.
Alternativen wären möglich
Dass dieser Anstieg an Flugreisenden nicht alternativlos ist, zeigt ein Blick auf weitere Zahlen. Nur ein Fünftel der Flüge aus der Schweiz hat einen anderen Kontinent als Ziel: um die 80 Prozent der Flugreisen gehen ins europäische Ausland, insbesondere nach Spanien, ins Vereinigte Königreich, nach Portugal, Deutschland, Frankreich und Italien.
Viele dieser Ziele sind bequem und teils sogar ohne jeglichen Zeitverlust mit dem Zug erreichbar. Hinzu kommt ein bisher weithin ungenutztes Potenzial von Nachtzügen, deren Nachfrage insbesondere an Feiertagen das Angebot deutlich übersteigt. Und im Gegensatz zum (internationalen) Bahnverkehr profitiert der Flugverkehr von der Befreiung der Kerosin- und Mehrwertsteuer – also von massiven Subventionen, die den Schienenverkehr im Vergleich für dieselbe Strecke deutlich teurer erscheinen lassen.
lsp
