Die Zahlen sind eindrücklich. Fast 1,9 Millionen Diensttage – so viel leisteten «Zivis» im Jahr 2025. Das entspricht rund 6000 Vollzeit-Arbeitsstellen. Sie sind in Alters- und Pflegeheimen, Schulen, sozialen Institutionen, im Naturschutz und in der Alpwirtschaft im Einsatz – Bereiche, die häufig von Personalmangel betroffen sind.
Doch mit der Revision des Zivildienstgesetzes, über welches die Stimmbevölkerung am 14. Juni abstimmt, sollen die Zulassungen zum Zivildienst um mehr als 40 Prozent gesenkt werden. Das heisst, dass ein grosser Anteil dieser Leistungen bei einem Ja zur Vorlage wegfällt. Einsatzbetriebe im Sozialwesen, Bauernbetriebe sowie Schulen wären direkt betroffen. Ihnen würden unterstützende Hände fehlen.

Das Sozialwesen wäre besonders betroffen
Allein im Sozialwesen fallen fast eine Million Diensttage an. Dort übernehmen die Zivildienstleistenden auch einen Teil der zwischenmenschlichen Arbeit: In Altersheimen beispielsweise lesen sie älteren Menschen vor, gehen mit ihnen spazieren, helfen beim Essen, und begleiten sie zu Arztbesuchen oder Veranstaltungen. Gerade in Zeiten, in denen das Pflegepersonal stark überlastet ist und wenig Zeit hat, ist diese Arbeit sehr wichtig.
Wie wichtig dieser Einsatz ist, zeigte ein aktueller SRF-Beitrag. Eine Bewohnerin eines Altersheims in Thun sagte über die «Zivis»: «Alle waren bisher sehr nett. Sie haben Zeit, sich mit uns abzugeben. Das ist wichtig. Ohne sie wäre es nicht mehr das Gleiche hier.»
Der Leiter derselben Institution bringt die Folgen des neuen Gesetzes auf den Punkt. Auf die Frage, ob es ohne Zivildienstleistende geht, antwortete er: «Den Fall, dass es ohne gehen muss, möchte ich nicht erleben.» Doch genau das droht mit der geplanten Revision.
Hinzu kommt: Eine Entspannung des Personalmangels im Pflegebereich ist nicht in Sicht – im Gegenteil. Aktuell läuft gerade die parlamentarische Beratung zur Umsetzung der Pflegeinitiative. Diese wird von Mitte-rechts massiv abgeschwächt.
Verlust der Bildungsqualität droht
Am zweithäufigsten sind Zivildienstleistende in Schulen anzutreffen. Sie unterstützen Lehrpersonen, helfen Kindern im Schulalltag und begleiten jene, die mehr Unterstützung brauchen. Eine kürzlich erschienene Evaluation des Bundesamtes für Zivildienst belegt: Zivildienstleistende verbessern nachweislich die Qualität des Unterrichts, stärken die Betreuung und fördern die Chancengerechtigkeit. Das Bundesamt hält klar fest, dass «ein Wegfall der Einsätze kaum ohne Verluste in der Bildungsqualität kompensiert werden könnte.»
Zivildienstleistende sind nicht nur im Sozialwesen unverzichtbar – auch im Naturschutz und in der Landwirtschaft leisten sie einen wichtigen Beitrag. Sie unterstützen Bäuer:innen in Tal- und Alpbetrieben, erhalten wertvolle Alpweiden und bekämpfen invasive Pflanzen. Eine Evaluation aus dem Jahr 2025 zeigt: Die Wirkung der Zivildienstleistenden im Naturschutz wird von den Einsatzbetrieben als hoch eingeschätzt. Mit dem neuen Gesetz drohen auch hier grosse Lücken.
Ein Abbau mit weitreichenden Folgen
Die Zahlen zeigen: Ob in Altersheimen, Schulen oder im Naturschutz – Zivildienstleistende schliessen Lücken, die sonst nur schwer gefüllt werden können. Am 14. Juni entscheidet die Schweizer Bevölkerung, ob sie diesen Abbau in Kauf nehmen will.
tst