Am Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transfeindlichkeit (IDAHOBIT), zieht die LGBTIQ Helpline Bilanz – und die fällt ernüchternd aus. Der 8. Hate Crime Bericht zeigt: Queerfeindliche Gewalt und Diskriminierung bleiben in der Schweiz auf erschreckend hohem Niveau. Im vergangenen Jahr wurden 281 Fälle gemeldet.
Die LGBTIQ-Dachverbände rufen zum IDAHOBIT dazu auf, erlebte oder beobachtete Hate Crimes zu melden – auf der neuen Plattform stophate.ch. Wer Gewalt oder Diskriminierung schweigend hinnimmt, macht sie unsichtbar.
Wer selbst Hilfe sucht oder einen Vorfall melden möchte, kann sich jederzeit an die LGBTIQ Helpline wenden oder unter stophate.ch eine Meldung einreichen.
Spitze des Eisbergs
Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt einen beunruhigenden Trend: Wurden 2022 noch 134 Meldungen verzeichnet, stieg die Zahl 2023 auf 305 und erreichte 2024 mit 309 Meldungen einen vorläufigen Höhepunkt. Dass sich die Zahl 2025 bei 281 eingependelt hat, ist kein Grund zur Entwarnung.
Hinter diesen Zahlen verbirgt sich ein weitaus grösseres Problem, wie eine Studie aus Genf zeigt: Über 80 Prozent der LGBTIQ-Personen erleben Diskriminierung oder Gewalt im öffentlichen Raum.
Die offiziellen Meldezahlen sind damit nur die Spitze des Eisbergs. Die Dunkelziffer ist enorm. Daniel Furter, Geschäftsleiter von der Organisation für homo- und bisexuelle Männer «Pink Cross» betont: «Hinter jeder dieser Meldungen steht ein menschliches Schicksal – und leider sind junge Menschen besonders betroffen.»
Beschimpfungen, Diskriminierung, körperliche Angriffe
Zwei Drittel der gemeldeten Vorfälle ereignen sich im öffentlichen Raum. Häufig handelt es sich um verbale Angriffe – Beschimpfungen, Belästigungen, beleidigende Gesten. Doch es bleibt nicht immer dabei: In 52 Fällen wurden Betroffene diskriminiert, in 45 Fällen kam es zu körperlichen Angriffen.
«Wir müssen Hate Crimes nicht still hinnehmen. Meldungen machen die Gewalt sichtbar und zeigen den Handlungsbedarf. Zudem kann Betroffenen mit Unterstützungsangeboten geholfen werden», sagt Milo Käser von der LGBTIQ Helpline.
Die Folgen sind tiefgreifend. 59 Prozent der Betroffenen berichten von psychischen Auswirkungen, die sie nachhaltig im Alltag einschränken. Besonders schwerwiegend sind die Konsequenzen, wenn Hate Crimes in institutionellen Umfeldern stattfinden – also in der Schule, am Arbeitsplatz oder im Gesundheitswesen. Ausgerechnet dort, wo sich alle Menschen sicher fühlen sollten.
Polizei wird kaum eingeschaltet
Nur in rund zehn Prozent der Fälle wird die Polizei hinzugezogen – meist dann, wenn es zu körperlicher Gewalt gekommen ist. Die meisten Betroffenen suchen Unterstützung im privaten Umfeld, bei therapeutischen Fachpersonen oder bei der LGBTIQ Helpline. «Besonders wichtig ist, dass Polizei und Behörden für Hate Crime-Opfer sensibilisiert sind und die notwendige Hilfe leisten», betont Muriel Waeger von der Lesbenorganisation Schweiz (LOS).
Aktionsplan muss rasch umgesetzt werden
Im Januar hat der Bundesrat einen nationalen Aktionsplan gegen Hate Crimes gegenüber LGBTIQ-Personen verabschiedet. Zwölf Massnahmen in den Bereichen Unterstützung, Prävention und Monitoring sind darin vorgesehen. Für die Betroffenen kommt es nun auf die Geschwindigkeit der Umsetzung an. «Die aktuellen Zahlen zeigen, dass die Massnahmen dieses Aktionsplans so schnell wie möglich umgesetzt werden müssen, um LGBTIQ-Personen besser vor Diskriminierungen und Verletzungen zu schützen», sagt Jann Kraus vom Transgender Network Switzerland (TGNS).
jsc



