Gewalt gegen Frauen nimmt weiter zu

Straftaten sind in der Schweiz im Vergleich zum Vorjahr um fast acht Prozent gestiegen. Besonders gravierend: Schwere Straftaten wie Tötungsdelikte, Vergewaltigungen und schwere Körperverletzungen nehmen zu. Die tatsächliche Zahl dürfte insbesondere bei sexualisierter und geschlechtsspezifischer Gewalt noch deutlich höher liegen, da viele dieser Delikte nicht zur Anzeige gebracht werden.

Ni una menos sur un écriteau à la grève féministe 2024
Demonstration am 14. Juni 2024 im Rahmen des feministischen Streiks in Zürich. Foto: zVg

Straftaten haben 2024 hierzulande im Vergleich zum Vorjahr um 7,9 Prozent zugenommen, wie aus der «Polizeilichen Kriminalstatistik 2024» vom Bundesamt für Statistik hervorgeht. Am stärksten zugenommen haben Delikte im digitalen Bereich. Hauptanteil aller Straftraten sind aber im Bereich des Vermögens anzusiedeln. Dazu zählen zum Beispiel Diebstähle, Sachbeschädigungen und Betrug.

Täter grossmehrheitlich Männer

Aber auch Gewalttaten sind gestiegen. Was dabei besonders auffällt: 80 Prozent der der Gewaltstraftaten in der Schweiz wurden von Männern begangen. Geht es um schwere Gewalttaten wie Tötungsdelikte, schwere Körperverletzung und Vergewaltigung, sind die Täter sogar in 94,5 Prozent aller Fälle männlich.

Häusliche Gewalt nimmt zu

Im häuslichen Bereich haben die Straftaten um 6,1 Prozent zugenommen. In diesem Bereich werden die Taten erfasst, in denen Opfer und Täter in einer engeren Beziehung stehen oder standen. Das heisst, auch aktuelle oder vergangene Beziehungen oder Familienmitglieder werden berücksichtigt. Über 70 Prozent der Gewalttäter in diesem Bereich sind Männer. Umgekehrt bei den Geschädigten: Rund 70 Prozent davon sind weiblich.

Stark zugenommen mit plus 30,4 Prozent haben im Vergleich zum Vorjahr die angezeigten Vergewaltigungen. Opfer sind nahezu zu 100 Prozent Frauen, während die Täter praktisch immer Männer sind.

Gerade weil es bei häuslicher Gewalt um das Privatleben geht, ist die Dunkelziffer in diesem Bereich besonders hoch. Das heisst: Viele Delikte werden nicht bei der Polizei gemeldet und sind somit in der Statistik nicht erfasst.

SP Frauen fordern mehr Schutz für Frauen

Die Gewalt gegen Frauen scheint auch 2025 nicht abzunehmen. In den ersten knapp drei Monaten wurden bereits mutmasslich elf Frauen von Männern umgebracht. Die SP Frauen haben deshalb eine Petition lanciert, in der sie zusammen mit 90 anderen Organisationen mehr Schutz für Frauen fordern: Der Bundesrat müsse die alarmierende Situation endlich ernst nehmen. Mit 350 Millionen soll der Schutz vor Gewalt, die konsequente Strafverfolgung und die Präventionsarbeit ausgebaut werden. Rund 22’000 Personen haben die Petition mitunterzeichnet.


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