Wenn am 6. und 7. Mai das St. Galler Symposium an der HSG beginnt, wird mit dem rechtsextremen Blogger Curtis Yarvin auch eine Person teilnehmen, die die liberale Demokratie ablehnt. Der Vordenker einer anti-demokratischen und neo-faschistischen Bewegung lehnt die Demokratie als «langsam, korrupt und uneffektiv» ab und befürwortet vielmehr eine Form der Tech-Monarchie. In dieser regiert eine Art CEO das jeweilige Land wie ein Unternehmen – Mitbestimmungsrechte für die Bevölkerung sind nicht vorgesehen.
Nun soll ausgerechnet Yarvin im Rahmen des Symposiums über die (Nicht-)Zukunft der liberalen Demokratien diskutieren. Die Teilnahme begründet das Symposium damit, dass Yarvins Ideen verstanden werden müssen, um die aktuelle Situation in den USA zu verstehen. Curtis Yarvin ist seit Jahren in der US-Politszene und bei den Tech-Oligarchen des Silicons Valley unterwegs. Er pflegt unter anderem Kontakte zu Steve Bannon, einem ehemaligen Trump-Berater. Aber er ist auch ein Freund von Peter Thiel, dem Mentor von US-Vizepräsident JD Vance.
Normalisierung rechtsextremer Positionen
Yarvins Aussagen und Meinungen liegen weit ausserhalb des tolerierbaren Diskurses. Ein Beispiel: Er verurteilt den rechtsextremen Terroristen Anders Breivik nicht und moniert stattdessen, dass dieser für einen wirksamen Politikwechsel zu wenige Menschen umgebracht habe. Auch mit rassistischen Aussagen zu angeblichen «Intelligenzunterschieden zwischen verschiedenen Rassen» und der Rekolonialisierung Afrikas hält er sich nicht zurück.
Mittlerweile hat sich Widerstand unter den Mitarbeitenden der Universität St. Gallen geregt. In einem offenen Brief fordern sie eine klare Distanzierung der Universität von Yarvin. Zudem beklagen sie, dass die Einladung Yarvins zur Normalisierung und Legitimierung von rechtsextremen Positionen beitrage. Trotzdem hält das Symposium an der Teilnahme Yarvins fest. Die Universität zeigt damit einmal mehr, wie weit rechtsextreme und anti-demokratische Haltungen und Positionen in der Gesellschaft vorgedrungen sind.
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