Anti-SRG-Initiative: Drohen der Schweiz US-amerikanische Zustände?

Immer mehr Menschen informieren sich über die sozialen Medien. Gleichzeitig nimmt die Zahl der Fake News in diesen Netzwerken rasant zu. Unabhängige Medien hingegen bieten auch in den sozialen Medien eine journalistische Berichterstattung. Doch mit der Anti-SRG-Initiative der SVP müsste die SRG ihre Auftritte in den sozialen Medien komplett einstellen. Die Folgen: noch mehr Fake News und Desinformation.

Foto: Hans Klaus Techt (APA/Keystone)

Die sozialen Medien bieten die Möglichkeit, sich blitzschnell und vergleichsweise einfach über Themen zu informieren. Doch mit diesen Möglichkeiten gehen auch einige Gefahren einher: Weil grundsätzlich jede Person Inhalte teilen kann, ist nicht mehr gewährleistet, dass jede Information der Wahrheit entspricht – auch wenn etablierte Medienhäuser ebenfalls gelegentlich Falschinformationen veröffentlichen. In den vergangenen Jahren zeigte sich aber einen rasanten Anstieg von Fake News. Fakten und verlässliche Informationen geraten zunehmend unter Druck.

Wenn es nach der SVP geht, soll diese Entwicklung nun mit der Anti-SRG-Initiative weiter verstärkt werden. Die Initiative verlangt die Halbierung der Gelder für die SRG. Das käme einer Zerschlagung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gleich und bedeutete eine weitere Schwächung des unabhängigen Journalismus. Damit dürfte die Flut von Fake News weiter zunehmen. Gleichzeitig sind es immer häufiger Milliardäre und Oligarchen, die auf den Online-Plattformen wie Instagram oder X bestimmen, welche Inhalte wir überhaupt noch zu sehen bekommen.

Desinformation mit KI-generierten Inhalten

Künstliche Intelligenz (KI) ist zunehmend breit und günstig verfügbar – und lässt sich einfach für die Erstellung von Videos, Bildern und Texten nutzen. Auch diese Inhalte überschwemmen die sozialen Medien. Eine Studie von AI Forensics belegte in einer Stichprobe aus dem Sommer 2025, dass 25 Prozent der Videoinhalte auf TikTok KI-generiert sind oder KI-Elemente enthalten. Hinzu kommt: Die KI wird immer besser. KI-generierte Inhalte sind als solche häufig kaum noch zu erkennen – und seriöse Nachrichten lassen sich kaum noch von Fake News unterscheiden.

Dies stellt eine erhebliche Gefahr für die Medien dar, insbesondere wenn die Grenze zwischen authentischen und künstlich generierten Inhalten weiter schwindet. Dass diese Vermischung von Inhalten von den Plattformbetreibern gewollt oder zumindest toleriert wird, zeigt sich auch in der Abschaffung von Faktenchecks in den USA – beispielsweise auf Mark Zuckerbergs Plattformen Facebook und Instagram. Offensichtlich irreführende, falsche, diskriminierende oder rassistische Inhalte werden nicht mehr von unabhängigen Faktenchecker:innen überprüft und – wenn überhaupt – deutlich langsamer entfernt. Hinzu kommen Kommentarspalten, in denen Hassrede nicht moderiert wird.

Faktenchecks der klassischen Medien

Noch mehr Hassrede und Fake News – das ist ein Szenario, das mit der Annahme der Anti-SRG-Initiative auch in der Schweiz wahrscheinlich ist. Aktuell prüfen unabhängige Medien Informationen und beliefern uns mit verlässlichen, nach journalistischen Kriterien erarbeiteten Nachrichten.. Im Gegensatz zu den sozialen Medien unterstehen Inhalte in den unabhängigen Medien einer institutionalisierten Vorgehensweise, um Fake News zu verhindern. So setzt die SRG beispielsweise ihr «Netzwerk Faktencheck» ein, um Fake News in ihren Formaten nicht weiterzuverbreiten und nur verifizierte Informationenzu verbreiten. Bei einer Annahme der Anti-SRG-Initiative wäre dieses Faktenchecken im bisherigen Umfang nicht mehr möglich. Einer weiteren Verbreitung von Fake News öffnet dies Tür und Tor.

Deepfakes: Gefälschte Nacktbilder fluten das Netz

Ein weiteres sehr problematisches Phänomen stellen sogenannte Deepfakes dar. Deepfakes sind mit KI manipulierte Foto- oder Videoinhalte. Wer beispielsweise aktuell durch Elon Musks Plattform X scrollt, wird mit freizügigen oder gar pornografischen KI-generierten Inhalten konfrontiert. Diese wurden mit Musks hauseigenem Chatbot «Grok» erstellt.

Die pornografischen Deepfakes sind nicht der erste Skandal, der auf «Grok» zurückgeht. Bereits im Juli 2025 fiel der Chatbot mit nationalsozialistischen Inhalten auf.  Besonders problematisch an den Nacktbildern ist aber, dass vor allem Frauen und Kinder betroffen sind. Der Chatbot fügt ihren Fotos einfach einen nackten Körper hinzu – sich davor zu schützen, ist extrem schwierig bis aussichtslos.

 

 


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