Bundesrat bei Energieversorgung bis im Winter unter Zugzwang

Der Bundesrat ist auf eine Unterbrechung der Gasversorgung oder einen Strommangel im Winter nicht vorbereitet. Die SP schlägt deshalb noch für diesen Sommer konkrete Massnahmen vor, damit die Versorgungssicherheit gewährleistet ist. 

Energieversorgung sichern

Der Ukraine-Krieg schüttelt die Energieversorgung in Europa durcheinander. Die Verfügbarkeit von Gas nimmt ab, die Preise steigen. Aber auch beim Stromimport steht die Schweiz nicht auf sicherem Boden. Ein Ausfall eines Schweizer AKW beispielsweise kann schnell zu einer kritischen Situation führen.

Der Bund ist auf diese Szenarien mehr schlecht als recht vorbereitet. Zahlreiche Politiker:innen von rechts bis links bringen derzeit Vorschläge aufs Parkett, die schon in den letzten 20 Jahren keinen Erfolg versprochen hatten. So zum Beispiel die SVP, die neue Kernkraftwerke bauen will und sowohl die Risiken der Kernkraft ignoriert als auch die lange Bauzeit, bis ein solches Kraftwerk ans Netz gehen würde.

Realistischer sind die Vorschläge, welche die SP in einem Strategiepapier zur Energieversorgung mit konkreten Massnahmen vorgelegt hat, die einfach umgesetzt werden können. In erster Linie gehe es darum, den Energieverbrauch zu reduzieren. «Der Bundesrat sollte jetzt ein Expressprogramm für den Austausch bestimmter leicht zu ersetzender, abnehmbarer Elektrogeräte starten», schlägt SP Energieexperte Roger Nordmann vor, der das Strategiepapier mitverfasst hat.

Kurzfristig pragmatische Ansätze, mittelfristige Massnahmen jetzt angehen

Der  Ersatz  von  Gusseisen-  oder  Glaskeramik-Herdplatten  durch Induktionssysteme würde genauso zu erheblichen Reduktionen des Stromverbrauchs führen wie der Austausch von Neonröhren durch LED-Lampen. «Für  diesen  Austausch  sind  weder professionelle  Fähigkeiten  noch  Werkzeuge erforderlich», erklärt Nordmann. «Da  diese Beleuchtungen  an  sehr  vielen  Orten  wie in Korridoren, Tiefgaragen, Büros, Klassenzimmern oder Einkaufszentren in Betrieb sind, ist ihr Gesamtverbrauch erheblich.»

«Eine Senkung um ein Grad bedeutet eine Reduktion der Heizenergie um 7 Prozent»

Längerfristig reicht dies allerdings nicht aus, ist sich die SP bewusst. Beim Gasverbrauch schlägt die SP deshalb als kurzfristige Massnahme einen Umstieg auf Heizöl vor und sieht auch eine Begrenzung der Heiztemperatur als Möglichkeit, um die Energieversorgung sicherzustellen. «Eine Senkung um ein Grad bedeutet eine Reduktion der Heizenergie um 7 Prozent», rechnet Nordmann vor.

Ebenfalls geprüft werden solle eine vorübergehende Reduzierung des Energieverbrauchs bei nicht lebensnotwendigen Anlagen wie Schaufensterbeleuchtungen, der Geschwindigkeit von Rolltreppen, der Heizung in Zweitwohnungen, der Heizung in Zügen oder Wellnessanlagen.

Mittelfristig wird aber auch das nicht ausreichen, ist Normann überzeugt. Ein Ausbau der Solarenergie, der mit einer Solarpflicht für gewisse Gebäude – ähnlich wie in der EU – vorangetrieben werden kann ist notwendig. Ebenfalls fordert die SP in ihrem Strategiepapier die Errichtung von Photovoltaikanlagen mit einer Leistung von 3 Gigawatt in den nächsten vier Jahren. «Diese sollen in Höhenlagen errichtet werden und nicht etwa auf Fruchtfolgeflächen», stellt Normann klar.

Weiteres Potenzial sieht die SP beim Ausbau der Wasserkraft, konkret bei den 15 Projekten, die der Bund im Rahmen eines Runden Tisches zur Wasserkraft ausgearbeitet hat. «Diese Projekte sind von nationalem Interesse und müssen darum auch prioritär behandelt werden», sagt der Energieexperte der SP Schweiz. Ebenfalls Abhilfe schaffen könnten Elektrolyseanlagen, welche den überflüssigen Strom im Sommer in Wasserstoff umwandeln und für den Winter speichern.

Nicht zuletzt soll sich die Schweiz mit einem nationalen Campus für die Energiewende und der Teilnahme am europäischen Programm für strategische Autonomie auf die Zukunft vorbereiten.

«Eine Senkung um ein Grad bedeutet eine Reduktion der Heizenergie um 7 Prozent»

«Der Bund muss die Vorbereitungen für einen vernünftigen Umgang mit der wahrscheinlichen Gasknappheit im nächsten Winter massiv beschleunigen», hält Normann fest.

 

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