Mit dem «Glass Ceiling Index» – Glasdeckenindex – ermittelt die Zeitschrift The Economist jedes Jahr, in welchem OECD-Land es sich für Frauen am meisten lohnt zu arbeiten. Untersucht werden dabei verschiedene Faktoren wie Erwerbsbeteiligung, Lohnungleichheit und Elternzeit. Die Schweiz landet dabei auf dem viertletzten Rang.
In den letzten dreizehn Jahren, seit es den Index gibt, hat sie sich keinen Schritt nach vorne bewegt. Nur in der Türkei, Japan und Südkorea ist die Situation für Frauen noch prekärer.
Grösstes Hindernis: Die Familiengründung
Ein genauer Blick auf den Index zeigt: In sechs von zehn Indikatoren schliesst die Schweiz mehr oder weniger im Mittelfeld ab – so zum Beispiel bei der geschlechtsspezifischen Lohnungleichheit oder der Vertretung in Parlamenten. Geht es aber um die Familiengründung, landet die Schweiz ganz weit hinten: Die familienergänzende Kinderbetreuung ist teuer, die Mutterschaftszeit vergleichsweise kurz, die Vaterschaftszeit mit zwei Wochen praktisch nicht existent. Eine gesetzliche Elternzeit gibt es nicht.
Dass berufstätige Mütter in der Schweiz gesellschaftlich wenig Rückhalt geniessen, zeigt sich auch daran, dass jede siebte Frau nach der Geburt vom Arbeitsmarkt gedrängt wird. Der Tages-Anzeiger berichtete etwa über den Fall einer Ingenieurin, der unmittelbar nach Bekanntgabe ihrer Schwangerschaft mitgeteilt wurde, dass sie nach der Mutterschaftszeit zwar zurückkehren könne, danach jedoch entlassen werde. Im Team, so der Vorgesetze, sei kein Platz für eine Mutter, die beim kranken Kind immer ausfalle.
Ab nach Skandinavien
Stellt sich die Frage: In welchen Ländern besteht die gläserne Decke nicht aus getöntem Panzerglas? Die Antwort: im hohen Norden. Dieses Jahr steht Schweden an der Spitze, gefolgt von Island und Finnland. Den vierten Rang belegt Norwegen. Alle vier skandinavischen Länder fördern seit Jahrzehnten mit gezielten politischen Massnahmen die Gleichstellung.
jsc
