Seit seinem Amtsantritt fährt Donald Trump eine beispiellose Kampagne gegen trans und nicht-binäre Menschen. Mittels so genannter «Executive Orders» verfügte er, dass US-Behörden Pässe ablehnen können, wenn das Geburtsgeschlecht nicht mit dem aktuellen Eintrag übereinstimmt. Trumps Regierung diffamiert trans Personen als «unamerikanisch», beschneidet ihr Recht auf Gesundheitsversorgung sowie ihre Reisefreiheit und liess den Begriff «transgender» von Regierungswebsites entfernen. Dieser beispiellose Angriff auf Menschenrechte reiht sich in eine autoritäre Politik der Rücksichtslosigkeit ein, die sich auch in anderen Bereichen wie den Rechten in Bezug auf die Fortpflanzung und der Migrationspolitik zeigt.
«Anti-Trans wird zu einem Scharnier, zum Kitt zwischen Menschen, die in vielen Punkten politisch eigentlich widersprüchliche Agenden haben: Anti-Trans verbindet Freikirchen mit bürgerlichen Parteien, rechte mit linken Aktivist:innen oder bestimmte Feminist:innen mit rechtsextremen Gruppen.»
Transfeindliche Programmatik ist ein zentraler Motor rechter Radikalisierung. Gezeichnet wird das Bild einer angeblich gefährlichen «Translobby», die Kinder und Frauen gefährdet, die Gesellschaft destabilisiert und die Grundlagen «unserer Zivilisation» unterwandert. Die österreichische FPÖ warnt in ihrem Wahlprogramm vor «permanente[r] Transgender-Gehirnwäsche», in der Schweiz lancieren religiös-fundamentalistische Vereine wie «Stiftung Zukunft CH» seit vielen Jahren trans-feindliche Diskurse und lobbyieren erfolgreich im Bundeshaus. Dabei sind Anti-Trans-Diskurse längst nicht nur ein rechtes oder religiös-fundamentalistisches Phänomen. Wir finden sie auch in linkem Umfeld oder in der sich für liberal haltenden Mitte. Grosse Tageszeitungen verbreiten in der Schweiz fast wöchentlich Desinformation, falsche Behauptungen und Verschwörungserzählungen über trans Menschen. Auch bestimmte feministische Akteur:innen warnen davor, dass Frauen in Umkleidekabinen oder WCs vor sexuell übergriffigen trans Frauen nicht mehr sicher seien.
Täter-Opfer-Umkehr
Solche Gefahrenszenarien wurden mittlerweile hinlänglich als Mythen widerlegt, und trotzdem glauben viele Menschen daran. Eine Erklärung dafür ist, dass es wenig Wissen über trans Menschen gibt. Wer wenig weiss, glaubt schnell. Die Anti-Trans-Rhetorik folgt dabei der klassischen, hundertfach erfolgreich eingesetzten Feindbilderzählung: Eine Minderheit wird als gefährlich und mächtig gebrandmarkt, was dazu führt, dass Vorurteile und Ängste ungebremst auf diese Minderheit projiziert werden. Erfolgreich ist dies auch deshalb, weil Vorurteile gegenüber LGBTIQ*-Menschen ohnehin weit verbreitet sind und tief sitzen, quer durch alle politischen Lager. Damit schafft es die Anti-Trans-Politik, sehr unterschiedliche Menschen mit einem gemeinsamen Feindbild zu verbinden. Anti-Trans wird zu einem Scharnier, zum Kitt zwischen Menschen, die in vielen Punkten politisch eigentlich widersprüchliche Agenden haben: Anti-Trans verbindet Freikirchen mit bürgerlichen Parteien, rechte mit linken Aktivist:innen oder bestimmte Feminist:innen mit rechtsextremen Gruppen.
Der anti-demokratische und reaktionäre Kern der Anti-Trans-Politik besteht darin, dass nicht nur eine Minderheit entmenschlicht wird, sondern ganz generell Ressentiments gegen demokratische Grundprämissen wie Pluralismus, Selbstbestimmung, Menschenrechte, Gleichberechtigung geschürt werden. Die Anti-Trans-Rhetorik macht ein allgemeines Unbehagen an demokratischen Prinzipien bis weit in die bürgerliche Mitte hinein salonfähig. Menschen, die sich nicht rechts verorten, sagen heute Sätze wie: «Jetzt reicht es aber auch mal mit der Gleichstellung und der Diversität!»
«Menschen, die aggressiv gegen trans Menschen vorgehen, sehen sich tatsächlich nicht als Täter:innen, sondern als Retter:innen der Zivilisation. Es ist jene uralte Täter:innen-Opfer-Umkehr, mit der Diskriminierung und Auslöschung schon immer als Notwehr legitimiert wurden.»
Besonders wirkungsvoll ist dabei die Verschwörungserzählung, dass eine mächtige «Translobby» die Gesellschaft beeinflusse mit dem Ziel, bereits Kinder zu trans umzuerziehen. In dieser Darstellung sind Medien, Politik und Gesellschaft von einer «Gender-Elite» gesteuert. Die Logik dieser Verschwörungserzählung: Wenn «trans» eine grosse Gefahr ist, dürfen – ja müssen wir quasi in Notwehr mit aller Härte dagegen vorgehen. Dann ist Transfeindlichkeit eben keine Feindlichkeit, sondern lebensnotwendige Selbstverteidigung. Menschen, die aggressiv gegen trans Menschen vorgehen, sehen sich tatsächlich nicht als Täter:innen, sondern als Retter:innen der Zivilisation. Es ist jene uralte Täter:innen-Opfer-Umkehr, mit der Diskriminierung und Auslöschung schon immer als Notwehr legitimiert wurden.
Der Mythos der «göttlichen Ordnung»
Aber erleben wir nicht gleichzeitig immer mehr Toleranz und Öffnung für LGBTIQ*? Oder anders gefragt: Wird vielleicht auch deshalb so aggressiv gegen trans Lebensweisen vorgegangen, weil es die Liberalisierung gibt? Weil trans und nicht-binäre Menschen längst in fast jedem Umfeld existieren, weil sie unsere Arbeitskolleg:innen, unsere Geschwister, unsere Kinder sind, weil wir ihnen im Sportverein, im Schachklub und an der Kasse begegnen? Ist die Aggression vielleicht auch deshalb so gross, weil trans und nicht-binäre Menschen sich nicht mehr verstecken, und weil klar ist, dass sich die Diversifizierung der Lebensweisen letztlich mit keinem Hetzprogramm der Welt aufhalten lässt?
Wir sehen derzeit gleichzeitig Toleranz und Ablehnung gegenüber LGBTIQ*-Lebensweisen. Zunächst zur Ablehnung: Woher kommt Transfeindlichkeit?
Die Vorstellung, dass Geschlecht durch Biologie nicht einfach ein für alle Mal festgelegt wird, sondern ein Stück weit gestaltbar ist, und dass neben Männern und Frauen diverse Geschlechter existieren, erleben viele als Bedrohung. Sowohl die Wissenschaft und das Leben selbst widerlegen die binäre Ordnung. Trans und nicht-binäre Personen zeigen mit ihrer Lebensweise zudem, dass es anders geht – anders als in der patriarchalen Grundordnung, deren Herrschaftstechnik darauf basiert, Geschlecht zu «naturalisieren» und auf bestimmte biologische Merkmale zu reduzieren. Die patriarchale Norm hat eine fixe Vorstellung, wie Menschen aufgrund von körperlichen Merkmalen sein sollten, und leitet daraus ihre Bestimmung ab.
«Es ist ökonomisch lukrativ, Menschen bei Geburt als Mädchen zu definieren und damit auch ihr Schicksal und ihre Rolle zu bestimmen, nämlich Sorgearbeit gratis zu übernehmen.»
Dabei geht es um mehr als um Identitätsfragen: Unser Wirtschaftssystem hängt beispielsweise an einer geschlechtlich definierten (ausbeuterischen) Arbeitsteilung. Es ist ökonomisch lukrativ, Menschen bei Geburt als Mädchen zu definieren und damit auch ihr Schicksal und ihre Rolle zu bestimmen, nämlich Sorgearbeit gratis zu übernehmen. Geschlechterrollen sind eben nicht einfach «Kulturkampf», sondern es geht auch darum, wer welche Arbeit macht und wer finanzielle Privilegien erhält – meistens die als Männer definierten Menschen. Was wäre denn, wenn zum Beispiel nicht automatisch feststünde, wer weltweit die 16 Milliarden Stunden Gratis-Care-Arbeit leistet, die täglich geleistet werden? Bisher sind dies mehrheitlich die Menschen, die bei der Geburt als Mädchen definiert werden.
«Wird das Kind als Junge identifiziert, sprechen sie viel lauter mit ihm und sind insgesamt körperlich ruppiger. Die Erwartungshaltung von Eltern gegenüber dem Geschlechterverhalten ihres Kindes ist, ob sie es wollen oder nicht, stark durch gesellschaftliche Normen und Rollenbilder geprägt.»
Und was wäre, wenn Menschen, bloss weil sie (potentiell) gebären können, bei ihrer Geburt nicht mehr automatisch das Geschlecht «Mädchen» zugewiesen bekämen? An dieser Zuweisung entscheidet sich auf tiefschürfende Weise, wie Kinder sozialisiert werden, was ihnen zugetraut wird und was nicht. Was, wenn es bei der Geburt eines Menschen hiesse: «Wie wunderbar, ein Mensch ist geboren! Lassen wir das Geschlecht offen, soll der Mensch selbst bestimmen, als was er sich irgendwann identifiziert!» Wäre das nicht der Inbegriff von Freiheit, wäre das nicht ur-liberal?
Das binäre Korsett
Die Soziologie zeigt, dass bisher selbst moderne Eltern ihre Kinder stark stereotyp erziehen – oft unbewusst. Wird das Kind als Junge identifiziert, sprechen sie viel lauter mit ihm und sind insgesamt körperlich ruppiger. Die Erwartungshaltung von Eltern gegenüber dem Geschlechterverhalten ihres Kindes ist, ob sie es wollen oder nicht, stark durch gesellschaftliche Normen und Rollenbilder geprägt. Genauso, wie auch in der Erwachsenenwelt Gendererwartungen unseren gesamten Umgang prägen. Spätestens in der Spielzeugabteilung stossen Kinder auf eine zutiefst stereotyp gegenderte Welt.
Was, wenn das Korsett nicht bereits bei Geburt festgelegt würde? Anders gefragt: Warum sollte die biologische Differenz, dass gewisse Menschen potenziell Kinder gebären können, als Grundlage dafür dienen, sie in genau zwei Geschlechterkategorien einzuteilen? Ist diese reproduktive Differenz wirklich ein ausreichendes Argument, die gesamte Identität eines Menschen von Anfang an in ein duales Modell zu zwängen – mit Erwartungen, Zuschreibungen und krassen Normvorstellungen inklusive Gewalt und Diskriminierung für alle jene, die diesen Normvorstellungen nicht entsprechen?
Die Wirklichkeit setzt diesen Normvorstellungen allerdings längst etwas entgegen: Die gelebte Diversität zeigt, dass die strikten Geschlechterkorsette ins Wanken geraten sind. Menschen nehmen sich heraus, anders zu leben, als es vorgeschrieben, nahegelegt wird. Und dabei geht es nicht nur um nicht-Binaritäten oder Transgeschlechtlichkeit. Auch cis geschlechtliche Menschen machen Dinge immer öfter anders. Heutige Väter sorgen immer mehr für ihre Kinder, entwickeln zunehmend Care-Kompetenzen und denken auch selbst dran, dass die Klobürste zwischendurch ausgewechselt werden muss.
«Trans wird auch deshalb so angefeindet, weil es als Angriff auf traditionelle Maskulinität empfunden wird: Ein biologisch als Mann zugewiesener Mensch, der sich als Frau identifiziert? Das ist doch ein Affront, Männlichkeit auszuschlagen!»
Diese «feminisierten» Männer und die unangepassten Frauen, die es wagen, viel Geld zu verdienen und Führung zu beanspruchen, aber eben auch trans und non-binäre Menschen: Sie alle fordern die bisherigen Sichtweisen und Gewohnheiten heraus, und zeigen, dass Geschlecht und Sexualität keinem göttlichen oder natürlichem Masterplan folgen. Sie sind gestaltbar.
Das ruft jene auf den Plan, die das als Verrat an der traditionellen Ordnung und besonders als Verrat an der traditionellen Maskulinität sehen. Trans wird auch deshalb so angefeindet, weil es als Angriff auf traditionelle Maskulinität empfunden wird: Ein biologisch als Mann zugewiesener Mensch, der sich als Frau identifiziert? Das ist doch ein Affront, Männlichkeit auszuschlagen! Cis Männer nehmen es trans Frauen übel, dass sie ihre (vermeintliche) Männlichkeit ablehnen und «lieber Frauen sind». Dahinter steckt auch die Angst vor der eigenen Feminität vieler cis Männer, die Angst vor der eigenen Sehnsucht nach Weichheit. Das, was cis Männer in sich selbst abspalten müssen, wird in anderen gehasst. Umgekehrt sind trans Männer in dieser Vorstellung «erschlichene, nicht echte Männer». Frauen, die «Männer sein wollen» nehmen sich in dieser Logik etwas, was ihnen nicht zusteht.
Wandel findet statt
Ich habe schon erwähnt, dass es in den letzten Jahren auch Liberalisierung gab. Sie schreitet voran, sowohl auf der Ebene von Gesetzen wie auch in den Lebensweisen und Meinungen: Tatsächlich gibt es viel mehr Menschen als zu anderen historischen Zeiten, die sich als LGBTIQ* outen und viel mehr Menschen akzeptieren und tolerieren diese Lebensweisen.
Aber gerade diese emanzipatorischen Teilerfolge bilden Angriffspunkte für Verschwörungserzählungen über eine angeblich durchschlagende Gender-Macht. In Wahrheit beruhen diese Teilerfolge jedoch nicht auf grossen politischen Lobbys – Queerpolitik ist und bleibt ein Nischenthema, auch für Politiker:innen. Es handelt sich also nicht um Eliten-Politik von oben, sondern um einen langsamen Wandel von unten: Die neuen gesetzlichen Selbstbestimmungsmöglichkeiten greifen das auf und werden dem gerecht, was real in der Bevölkerung gelebt wird.
«Nemo wird in der Schweiz angefeindet, aber ebenso geliebt und gefeiert! Menschen, von denen ich das nie erwartet hätte, bemühen sich inzwischen, die richtigen Pronomen für Nemo zu verwenden.»
Normen verschieben sich, so, wie sich Normen historisch immer verschoben haben. Das äussert sich etwa darin, dass Menschen (freiwillig) ihre Pronomen in Mailsignaturen schreiben, oder immer mehr Menschen inklusiv sprechen, weil die sprachliche Abbildung der verschiedenen Lebensweisen vielen einleuchtet. Es entspricht ganz einfach ihrem Gerechtigkeitsempfinden.
Nemo wird in der Schweiz angefeindet, aber ebenso geliebt und gefeiert! Menschen, von denen ich das nie erwartet hätte, bemühen sich inzwischen, die richtigen Pronomen für Nemo zu verwenden (they/them oder keine). Dieser Wandel findet statt, weil es diverse Lebensweisen gibt und tatsächlich auch Toleranz.
Das alles schliesst nicht aus, dass auch trans Menschen sich danebenbenehmen (solche Menschen gibt es überall), sich sexistisch und aggressiv äussern, (im Netz) zu Gewalt aufrufen und dogmatische Vorgehensweisen verfolgen und selbst zu Autoritarismus neigen (die gibt es in allen Menschengruppen und politischen Strömungen). Das soll man kritisieren. Auch der Kampf für emanzipatorischen Wandel muss sich stets selbstkritisch auf Leerstellen und autoritäres Gebaren hinterfragen.
Und zudem gilt: Nicht alle, die ein Unbehagen mit der Selbstbestimmung über den Körper haben, sind automatisch rechts und reaktionär. Denn das Unbehagen ist nachvollziehbar und es gibt gute Gründe für kritische Einwände – wir kennen das auch aus Abtreibungsdebatten oder in Bezug auf medizinische Körpermodifikationen und Schönheitseingriffe. Das Unbehagen gegenüber Selbstgestaltung, Selbstschaffung und Selbstoptimierung von Körpern ist uralt und teilweise sehr berechtigt: Denn finden diese Eingriffe nicht immer unter dem Einfluss (neoliberaler) Machtverhältnisse statt? Sind sie unter den gegebenen Bedingungen nicht auch marktförmig, finden unter grossem Druck statt oder unter bestimmten Normvorstellungen von Gesundheit, Schönheit oder eben auch Geschlecht? Oder anders ausgedrückt: Wie frei sind wir in unseren Entscheidungen? Was bedeuten Schönheitseingriffe in einer Gesellschaft, die von Frauen erwartet, einen normschönen Körper zu haben? Oder was bedeutet trans sein in einer Gesellschaft, in der Weiblichkeit noch immer abgewertet wird? Geschehen dann womöglich Transitionen auch unter dem Eindruck, es sei besser, ein Junge oder ein Mann zu sein? Oder was bedeutet «my body my choice» unter den Prämissen einer behindertenfeindlichen Gesellschaft? Wie ist hier die Selbstbestimmung von Schwangeren zu bewerten, einen behinderten Fötus abzutreiben? Unter welchen Prämissen findet also körperliche Selbstbestimmung statt?
All diese Fragen sind nicht neu. Modernisierung, technologische Neuerungen und Selbstbestimmung gehen immer mit Ambivalenzen einher. Darüber muss man sprechen. Was aber derzeit an Hass und Desinformation gegen trans Menschen ausgeschüttet wird, hat mit Ambivalenz nichts zu tun. Es sind Kampagnen, die Selbstbestimmung, Liberalismus und Menschenrechte grundlegend angreifen.
Eine Frage der demokratischen Werte
Aus einer liberal-demokratischen Sicht ist es konsequent und logisch, dass wir über den eigenen Körper, die eigene Sexualität und die Geschlechtsidentität selbst bestimmen dürfen. Im Anschluss an die grundlegende Erkenntnis, dass Biologie nicht Schicksal ist, sondern Spielräume und Freiheiten und Gestaltbarkeit bestehen, ist es in einer liberalen Gesellschaft richtig, die körperliche und sexuelle Selbstbestimmung aller Menschen im Kern zu verteidigen und zu gewährleisten. Nach welchen Regeln das geschieht, müssen wir natürlich immer wieder aushandeln.
«Wir sind deshalb alle aufgerufen, die Stimme zu erheben und uns jetzt dafür zu entscheiden, hörbar und deutlich für emanzipatorische, demokratische Werte einzutreten, für die Gleichwertigkeit aller Menschen.»
Das wichtigste Argument für Selbstbestimmung und die Anerkennung von trans Menschen ist aber schlicht: Sie existieren. Eine demokratische Gesellschaft muss dieser Tatsache gerecht werden. Trans Menschen wollen nicht mehr und nicht weniger als einen Alltag in Ruhe und Frieden.
Wir haben Teilerfolge erzielt, aber sie stehen unter Beschuss. Wir können dagegen nur vorgehen, wenn wir zusammenhalten und die anti-patriarchalen Kämpfe verbinden: Die Attacken gegen die trans Community sind eng verwoben mit rassistischen Angriffen, mit Angriffen auf Frauenrechte, auf die reproduktive und sexuelle Gesundheit und mit der strukturellen Diskriminierung von armen Menschen. Wenn trans Menschen nicht sicher sind, ist niemand sicher.
Wir sind deshalb alle aufgerufen, die Stimme zu erheben und uns jetzt dafür zu entscheiden, hörbar und deutlich für emanzipatorische, demokratische Werte einzutreten, für die Gleichwertigkeit aller Menschen. Diese Werte im Alltag, beruflich und politisch zu vertreten, ist essenziell. Und es ist das, was gegen Hass und Rückschritte hilft.
Wer sich mehr Wissen zum Thema «Trans» zulegen möchte, hier sind einige weiterführende Links:
- Mythen zu Trans: Richtigstellungen und Faktenchecks
- Damit dir nicht die Worte fehlen: How to argumentieren gegen trans*-Feindlichkeit
- Transfeindliche Mythen – einige Richtigstellungen
Eher allgemein, aber mit Diskussionsstrategien:
- Gegen die Sprachlosigkeit: Hier findet ihr Argumente und Fakten, um weit verbreitete diskriminierende Vorurteile zu entkräften.
- Argumente gegen homo- und transfeindliche Vorwürfe
- «Trans Menschen als Bedrohung für Frauenrechte»: Antifeministische Behauptungen erkennen und widerlegen
- Buchtipp: Über geschlechtsoffene Erziehung: «Was wird es denn? Ein Kind!» von Ravna Marin Siever
Artikel
Vorgelesen von Franziska Schutzbach
Franziska Schutzbach ist Buchautorin, promovierte Geschlechterforscherin, feministische Aktivistin sowie Dozentin für Geschlechterforschung und Soziologie an der Universität Basel. 2021 hat sie den Bestseller «Die Erschöpfung der Frauen. Wider die weibliche Verfügbarkeit» veröffentlicht.
Die Kolumne ist eine «Carte Blanche» und widerspiegelt die Meinung der Autorin.