Der Medienkonzern Columbia Broadcasting System wurde 1927 in New York gegründet. Seither gehört CBS, wie das Unternehmen genannt wird, zu den grössten Traditions- und Qualitätsmedien in den USA. Der Nachrichtensender CBS News hat letztes Jahr aber einen grundlegenden Wandel durchlebt, wie das Nachrichtenportal watson in einer Analyse schreibt.
CBS wurde 2025 Teil von Paramount Skydance Corporation, einer Fusion aus mehreren Medienunternehmen. Dessen CEO ist David Ellison, Sohn von Tech-Milliardär Larry Ellison. Larry Ellison ist der viertreichste Mensch der Welt und Trump-Verbündeter. Pikant: Donald Trump war seit einiger Zeit mit CBS in einem Rechtsstreit verwickelt, weil ihm die Berichterstattung über seine Wahlbetrug-Verschwörung nicht gefiel. Sobald CBS Teil von Ellisons Konzern wurde, erhielt Trump eine saftige Abfindungszahlung von 16 Millionen US-Dollar.
Bari Weiss – die Architektin der konservativen Wende
2025 ernannte David Ellison Bari Weiss zur Chefredakteurin von CBS News – eine von vielen Entscheidungen, die den Nachrichtensender konservativer einstellen wird. Die ehemalige New York Times-Kolumnistin inszenierte sich bei ihrem Abschied von der liberalen Medienwelt als Mobbing-Opfer. Das brachte ihr die Sympathie der Ellisons ein.
Seit Weiss die publizistische Linie bestimmt, häufen sich Zensurvorwürfe sowie freundliche Interviews mit Trump und seinen Regierungsmitgliedern. Ein Beispiel: Die Reportage der legendären Sendung 60 Minutes über Folter in einem salvadorianischen Gefängnis, in das Menschen aus den USA abgeschoben werden, wurde von Weiss noch vor der Ausstrahlung gestoppt.
Die Chefredakteurin begründete das mit «mangelnder Recherche» und damit, dass in der Reportage die Regierung nicht zu Wort kam – obwohl die Journalist:innen wiederholt um eine Stellungnahme gebeten hatten.
Neu moderiert Tony Dokoupil zudem die Evening News, eine prestigeträchtige Position bei CBS News. Der neue Moderator inszeniert sich als «Stimme des einfachen Volkes». Aber statt kritischer Berichterstattung liefert Dokoupil jetzt Hommagen an Politiker wie Marco Rubio, den Aussenminister Trumps.
Medien gefangen in Marktlogik
Die Entwicklung bei CBS ist kein Einzelfall. Dem eher liberalen Sender CNN droht das gleiche Schicksal, sollte Warner Bros. Discovery an Paramount verkauft werden. Die Ellisons haben bereits angedeutet, dass sie die beiden Sender zusammenlegen wollen.
Im Kapitalismus werden Medienkonzerne wie normale Unternehmen behandelt, mit deren Fusion oder Verkauf Profit erzielt werden kann. Das Endergebnis ist aber eine Machtkonzentration in den Händen der Superreichen, die Redaktionen manipulieren. Fakten werden nicht mehr überprüft, Regierungen nicht mehr hinterfragt, die Interessen der Allgemeinheit nicht mehr bedient.
Schweiz: Service public in Gefahr
In der Schweiz droht dasselbe, sollte der mediale Service public mit der Anti-SRG-Initiative geschwächt werden. Um ihrem Auftrag gerecht zu werden, müssen öffentlich finanzierte Medien unabhängig sein und sich nicht den Interessen der Milliardäre beugen. Verschwinden Medien wie die SRG, füllen Plattformen im Besitz von Superreichen die entstandene Lücke.
