Im Dezember 2023 starteten elf Betriebe aus Malmö, Göteborg, Jönköping und Bålsta ein wissenschaftlich begleitetes Pilotprojekt zur 4-Tage-Woche. Die Studie umfasste öffentliche, private und gemeinnützige Organisationen. Vertreten waren Pflegeeinrichtungen, Energieversorger, Sozialdienste, Beratungsbüros und NGOs. Alle Betriebe testeten sechs Monate lang das sogenannte «100:80:100-Modell». Das heisst: Die Angestellten arbeiteten rund 20 Prozent weniger, erhielten aber 100 Prozent ihres Lohns – bei gleichbleibender Produktivität.
Mehr Schlaf und weniger Stress dank kürzerer Arbeitszeiten
Die Ergebnisse des Pilotprojekts fallen deutlich aus. Kürzere Arbeitszeiten verbesserten die Lebensbedingungen vieler Angestellten spürbar. Besonders relevant sind die Effekte auf Gesundheit und Wohlbefinden:
- Der gemessene Stress sank um 19 Prozent.
- Die Teilnehmenden schliefen im Schnitt 24 Minuten länger pro Nacht.
- Schlafprobleme halbierten sich.
- Angstsymptome nahmen ab. Der Anteil jener ohne Angstgefühle stieg von 46,5 auf 64,6 Prozent.
- Sowohl die psychische als auch die körperliche Gesundheit verbesserten sich signifikant.
Diese Effekte betreffen vor allem Angestellte in Berufen mit hoher Arbeitsbelastung. Gerade im Pflege- und Sozialbereich gelten Arbeitsverdichtung (also zunehmende Arbeit mit gleichbleibender oder abnehmender Zeit) und die daraus resultierende Erschöpfung als zentrale Probleme. Die positiven Effekte der Arbeitszeitverkürzung hängen auch mit einem besseren Arbeitsklima und einer ausgeglicheneren Work-Life-Balance zusammen. Laut Studienergebnissen nahm die soziale Interaktion im Team um 10 Prozent zu und die Arbeitszufriedenheit um 8 Prozent. Die allgemeine Lebenszufriedenheit erhöhte sich sogar um 25 Prozent, die Zeit für Freizeit um 44 Prozent. Die Energie für Familie und Freunde nahm um 22 Prozent zu.
Hohe Produktivität dank reduzierter Arbeitszeit
Auch die ökonomischen Kennzahlen zeigen bei der 4-Tage-Woche in Schweden ein positives Bild. Trotz reduzierter Arbeitszeit blieben die Betriebsleistungen, wie u.a. der Umsatz, stabil oder verbesserten sich sogar:
- Die wahrgenommene Produktivität stieg um 13 Prozent.
- Die Arbeitsfähigkeit nahm um 10 Prozent zu.
- Die Arbeitsintensität blieb unverändert.
- Kreativität und Innovation legten in allen gemessenen Bereichen zu.
Keiner der teilnehmenden Betriebe meldete schlechtere wirtschaftliche Ergebnisse. Fünf Betriebe verzeichneten stabile Kennzahlen, fünf weitere sogar Verbesserungen.
Grossbritannien, Deutschland, Schweiz: Immer mehr Länder testen die 4-Tage-Woche
Die Ergebnisse bestätigen internationale Studien aus Ländern wie Grossbritannien, Deutschland oder Australien: Die Angestellten sind motivierter, produktiver und glücklicher, während es sich auch für die Unternehmen rentiert. Auch in der Schweiz läuft aktuell ein Pilotprojekt.
lal / Dieser Beitrag wurde teilweise von kontrast.at übernommen.
