Start Gesellschaft Trotz Hitzesommer: SVP-Rösti streicht Klimamassnahmen

Trotz Hitzesommer: SVP-Rösti streicht Klimamassnahmen

Der Sommer 2026 dürfte vorerst als heissester je gemessener Sommer der Schweiz in die Geschichtsbücher eingehen. Wer denkt, dass SVP-Umweltminister Albert Rösti damit wachgerüttelt wird, täuscht sich aber gewaltig.

Protestaktion von Greenpeace am AKW Gösgen im Januar 2026. Foto: Claudio Thoma (Keystone).

In den Wäldern liegt so viel Laub auf den Böden wie Mitte Oktober. Der Grund ist aber nicht der natürliche Zyklus der Natur, sondern die extreme Hitze und die damit verbundene Trockenheit. Die erneute Hitzewelle Anfang August macht aber nicht nur den Sträuchern und Bäumen zu schaffen. Insbesondere für ältere Menschen sind die anhaltend hohen Temperaturen lebensbedrohlich.

Wer jetzt immer noch behauptet, das sei nichts Ungewöhnliches und es bereits anno dazumal auch schon Hitzewellen gab, ignoriert gekonnt jede wissenschaftliche Erkenntnis in der Klimaforschung. Denn dieser Sommer ist kein Ausnahmeereignis, sondern ein neuer Gipfel in der stetig voranschreitenden Klimaerhitzung.

Die Massnahme der Stunde: Die Treibhausgasemissionen senken und gleichzeitig die Bevölkerung und die Natur so gut wie möglich vor der steigenden Hitze schützen. Logisch mag man denken – nicht aber für SVP-Umweltminister Albert Rösti, wie folgende drei Beispiele zeigen:

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Keine Gelder für hitzeresistente Bäume

Man muss kein:e Förster:in sein, um zu sehen, dass die Hitze dem Wald stark zu schaffen macht. Aus diesem Grund hat das Parlament 2020 100 Millionen Franken bewilligt, die verteilt auf vier Jahre für die Pflanzung von hitzeresistenten Bäumen genutzt werden können. 2023 wurde diese Finanzierung zwar verlängert, jedoch um ein Drittel gekürzt. Nun hat Bundesrat Albert Rösti die Mittel ab 2027 komplett aus der Finanzplanung gestrichen.

Wie die «NZZ am Sonntag» berichtet, sorgt die Streichung im Vorstand der kantonalen Konferenz für Wildtiere, Wald und Landschaft für Unmut. Der Zeitpunkt sei denkbar ungünstig, da die Waldbrandgefahr inzwischen auch nördlich der Alpen steige. Vorstandsmitglied Stefan Müller, Mitte-Regierungsrat aus Appenzell Innerrhoden, weist zudem darauf hin, dass die zunehmenden Hitzeperioden im Wald erhebliche Schäden und Folgekosten nach sich ziehen.

 2 

Gelder für AKW, die bei den Erneuerbaren fehlen werden

Um die Treibhausgasemissionen zu senken, braucht es eine Energiewende: weg von den Fossilen hin zu den Erneuerbaren. Das erfordert zu Beginn Investitionen, die sich in wenigen Jahren ausbezahlen werden. Doch anstatt in den Ausbau der Wind-, Wasser- und Solarenergie zu investieren, will Umweltminister Albert Rösti mit einem Gegenvorschlag zur «Blackout»-Initiative das AKW-Neubauverbot kippen. In der Sommersession hat das Parlament diesem zugestimmt – eine breite Allianz sammelt nun das Referendum dagegen, so dass die Bevölkerung nach der letzten Abstimmung von 2017 nochmals darüber befinden kann.

Die negativen Folgen von neuen AKW sind neben den Geldern, die fehlen werden, vielschichtig: Die Schweiz wird wegen der nötigen Uranimporte wieder abhängiger von Russland und anderen autokratisch regierten Staaten. Zudem bleibt die Gefahr eines Super-GAUs bestehen, wie die Katastrophe von Fukushima 2011 deutlich gezeigt hat. Und Atomenergie erzeugt immer noch Müll, für den keine nachhaltige Lösung gefunden wurde; es muss für Jahrhunderte gelagert werden.

 3 

Gebäudeprogramm auf der Kippe

Im Rahmen des Abbaupakets 2027 hat Umweltminister Rösti mit Unterstützung vom Gesamtbundesrat angekündet, das Gebäudeprogramm für energetische Sanierungen zu streichen. Dieses Programm gibt es seit 2010 und wird vom Bund mit 400 Millionen Franken jährlich gespiesen. Mit Erfolg: Die CO2-Emissionen im Gebäudebereich konnten in den letzten Jahren unter anderem dank besserer Isolierung und folglich weniger Heizbedarf deutlich gesenkt werden. Der Abbauplan sorgte deshalb auch in der parlamentarischen Debatte für Diskussionen.

Denn gemäss einer Studie lohnt sich das Gebäudeprogramm auch volkswirtschaftlich: Die eingesparten Umweltkosten übertreffen die Fördergelder bei weitem und unter dem Strich generiert das Programm eine Bruttowertschöpfung von 535 Millionen Franken – zusätzlich sorgen die Gelder dafür, dass Sanierungen oft früher erfolgen als ohnehin geplant. Im Frühjahr hat das Parlament deshalb entschieden, das Gebäudeprogramm nicht zu streichen.

jsc


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