Die Initiative für eine sichere Ernährung («Ernährungsinitiative») will Ernährungssicherheit und Umweltschutz stärker miteinander verknüpfen. Gemäss Initiativtext soll der Bund künftig auch sauberes Trinkwasser sichern und natürliches Saatgut fördern. Gleichzeitig sollen Bund und Kantone verpflichtet werden, Ökosysteme und Biodiversität zu erhalten und die 2008 geltenden Höchstwerte für Stickstoff- und Phosphorverbindungen einzuhalten. Zudem will die Initiative auch, dass der Bund einen Netto-Selbstversorgungsgrad mit Lebensmitteln von mindestens 70 Prozent anstrebt.
Zu hoher Selbstversorgungsgrad
Obwohl das Ziel gut tönt, entpuppt es sich bei genauerer Betrachtung als unrealistisch. Aktuell liegt der Selbstversorgungsgrad bei gerade mal 47 Prozent. Selbst zu Zeiten der Anbauschlacht während des Zweiten Weltkriegs wurde der geforderte Selbstversorgungsgrad von 70 Prozent nicht erreicht.
Dazu kommt: Umgesetzt werden sollen die Forderungen innerhalb von zehn Jahren. Das ist ein enormer Schritt, den die Landwirtschaft in derart kurzer Zeit vollziehen müsste. Ohne massive Einschränkungen und Rationierungen für die Bevölkerung wäre dies nicht machbar.
Chancenloser Gegenvorschlag
Aus diesem Grund haben neben dem Bundesrat auch beide Parlamentskammern die Initiative einstimmig abgelehnt. Statt eines unrealistischen Selbstversorgungsgrades brauche es stattdessen umsetzbare Reformen für eine nachhaltige Landwirtschaft, so der Tenor insbesondere aus der Ratslinken. Einen direkten Gegenvorschlag, der die Biodiversitäts- und Umweltziele für die Landwirtschaft sowie die Höchstwerte für Stickstoffverbindungen und Phosphor ohne Fristen und ohne Festsetzung eines Selbstversorgungsgrades in die Verfassung aufnehmen wollte, blieb jedoch chancenlos.
jsc
