Vier Gründe, die für die Individualbesteuerung sprechen

Am 8. März stimmen wir über die Einführung der Individualbesteuerung ab. Die wichtigsten Argumente zum neuen Steuermodell im Überblick.

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Die Bevölkerung kann am 8. März die steuerliche Benachteiligung der Ehe abschaffen. Die Vorlage ist aus einem Kompromiss zwischen der FDP, GLP, den Grünen und der SP hervorgegangen: die Individualbesteuerung. Dieses Steuermodell wird von der Mitte und der SVP kritisiert, die stattdessen ein konservatives Modell vorschlagen, über das demnächst ebenfalls abgestimmt wird. Die wichtigsten Argumente, die für ein Ja zur Individualbesteuerung sprechen, im Überblick:

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Mehr Unabhängigkeit für Frauen

Die Individualbesteuerung korrigiert ein Steuersystem, das heute viele Frauen benachteiligt. In der Schweiz arbeiten rund 60 Prozent der verheirateten Frauen Teilzeit – jedoch nicht immer freiwillig. Im heutigen System lohnt es sich für viele verheiratete Paare eher nicht, wenn die Person mit dem tieferen Einkommen mehr arbeitet, weil die Steuern dann überdurchschnittlich stark steigen. Häufig sind es Frauen, die innerhalb einer Ehe weniger verdienen und deshalb auf ein höheres Pensum verzichten.

Die Individualbesteuerung beseitigt diesen Nachteil, da jede Person unabhängig vom Zivilstand auf Einkommen und Vermögen besteuert wird. Wie alt Bundesrätin Simonetta Sommaruga in einem Interview mit den Tamedia-Zeitungen betont, ist die Individualbesteuerung ein Projekt, das «die finanzielle Unabhängigkeit der Frauen stärkt». Diese Unabhängigkeit wirke auch als Schutzschild gegen sexistische und sexuelle Gewalt. Zu den Argumenten gegen die Reform sagt sie: «Es sind dieselben wie einst gegen das Frauenstimmrecht: zu kompliziert, zu teuer, zu aufwendig.»

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86 Prozent der Steuerzahlenden profitieren von der Reform

Gemäss Bund würden 50 Prozent der Steuerpflichtigen von einer Steuerentlastung profitieren. Bei 36 Prozent wären die Veränderungen nur sehr gering. 14 Prozent der Steuerpflichtigen, jene mit hohen Einkommen, müssten mit einer höheren Steuerbelastung rechnen. Der Bund weist jedoch darauf hin, dass die Auswirkungen der Reform stark von den Einkommensunterschieden und der Anzahl Kinder innerhalb eines Paares abhängen.

Die neuen Steuersätze werden so angepasst, dass tiefe Einkommen und der Mittelstand weniger Steuern zahlen, während hohe Einkommen stärker belastet werden. Einerseits profitieren Personen mit tiefen Einkommen von einem höheren Grundfreibetrag. Andererseits wird die Einkommensgrenze, ab der der maximale Bundessteuersatz von 11,5 Prozent gilt, gesenkt. Dadurch ergibt sich für den Mittelstand eine spürbare Steuerentlastung. Auch in den unteren Einkommensklassen sinkt die Steuerbelastung für Familien sowie für erwerbstätige und pensionierte Paare.

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Unbezahlte Arbeit wird sichtbar

Die Reform stellt sicher, dass die Erwerbsarbeit von Ehepartner:innen steuerlich gleichbehandelt wird. Erhöhen Frauen ihr Arbeitspensum, kann dies eine Veränderung der Verteilung der unbezahlten Arbeit innerhalb der Ehe anstossen. Frauen wären nicht länger für Haushalt und Kinder zuständig, weil es finanziell als sinnvoller erscheint. Jedes Paar könnte die Aufgabenverteilung freier und gerechter gestalten, ohne negative Konsequenzen auf die Steuererklärung.

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Berücksichtigt vielfältige Familienmodelle

Das heutige Steuersystem stammt aus einer Zeit, in der ein traditionelles Familienmodell vorherrschte – er bringt das Geld nachhause, sie kümmert sich um Haushalt und Kinder. Die Individualbesteuerung hingegen trägt den Lebensrealitäten in der Schweiz im Jahr 2026 Rechnung. Sie sorgt dafür, dass alle Lebens- und Familienformen steuerlich gleichbehandelt werden.

Familie und Ehe zwar bleiben wichtige soziale Institutionen unserer Gesellschaft. Gleichzeitig haben sich aber die familiären Lebensformen stark diversifiziert: Patchworkfamilien, kinderfreie Konkubinatspaare, Alleinerziehende oder gleichgeschlechtliche Paare werden längst institutionell anerkannt.


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