
Es gibt Milliardär:innen, die sich gerne in der Öffentlichkeit zeigen oder öffentlichkeitswirksam für ihre Interessen lobbyieren. Der deutsch-schweizerische Milliardär und Immobilienbesitzer Henning Conle mit einem geschätzten Vermögen von 1,2 Milliarden Franken gehört hier nicht hinzu. Nicht einmal verifizierte Fotos oder Videos von ihm sind im Internet zu finden.
Nun fanden «Tsüri.ch» und das WAV-Recherchekollektiv heraus: Henning Conle besitzt weitaus mehr Wohnraum als bisher bekannt war. Ganze 121 Grundstücke und 1253 Wohnungen in 135 Häusern konnte Conle seit den 1990ern in seinen Besitz bringen. Eingerechnet weiterer Immobilien und Grundstücke besitzt er ganze 105’000 Quadratmeter städtischen Grunds und ist damit mit grossem Abstand die Person mit dem meisten Wohneigentum in der Stadt Zürich.
Welches Ausmass der Kauf von Immobilien mittlerweile annimmt, zeigt sich bei einem genaueren Blick auf die Stadt Zürich. Fast 100 Wohnungen besitzt er allein im Kreis 2, jeweils über 60 Wohnungen in den Kreisen 3 und 4. Besonders an Immobilien im Norden Zürichs scheint Conle interessiert zu sein. Dort besitzt er über 650 Wohnungen und 33 Häuser auf vier Quartiere verteilt.
Millionen für rechte Parteien
In den Fokus des öffentlichen Interesses rückte Conle 2019. Damals wurde bekannt, dass er hinter einer rätselhaften Grossspende an die rechtsextreme AfD und deren Kreisverband von Alice Weidel stand. Stückweise überwies er über mehrere Konten von Schweizer Pharmafirmen 150’000 Franken an die Partei. Er soll auch über eine Schenkung an einen FPÖ-Politiker eine 2,35 Millionen Euro teure Plakatkampagne des AfD-Bundestagswahlkampfs 2025 mitfinanziert haben. Dies, obwohl solche «Strohmannspenden» in Deutschland verboten sind.
Dass Conle ausgerechnet für die AfD spendet, verwundert kaum: diese setzt sich für eine vollständige Abschaffung der Grundsteuer ein.
Auch in die Schweizer Politik greift der Milliardär gemäss Recherchen von CH Media im Hintergrund ein. So lud er mehrfach SVP-Spitzenpolitiker zu privaten Abendessen ein – darunter auch den jetzigen Bundesrat Albert Rösti. Zudem tauchte eine Danksagung für eine namentliche Spende anlässlich der 100-Jahr-Feier der SVP in ihrem Mitgliedermagazin auf. Inwiefern Conle die SVP bis heute finanziell unterstützt und Einfluss auf ihre Politik nimmt, ist unklar – ebenso wie die Frage, ob Mieteinnahmen für Spenden an rechte Parteien verwendet wurden.
Klar ist jedoch: Während die SVP sich als Partei des Mittelstands ausgibt, sind es vor allem Milliardär:innen, die von der Politik der SVP profitieren – und der Partei entsprechend Spenden zukommen lassen.


