Vergangene Woche wurde der Simplon zum Schauplatz eines Treffens der deutschen extremen Rechten: Rund 35 Männer der Identitären Bewegung Deutschland (IBD) hielten sich während einer Woche in einer Gruppenunterkunft auf der Alp Alpjen oberhalb von Simplon Dorf auf. Das sogenannte «Bundeslager 2026» wurde von der Gruppe selbst in den sozialen Medien dokumentiert.
Die Bilder zeigen die Männer beim Wandern, beim Training von Nahkampftechniken und in Formation. Die IBD inszenierte ihren Aufenthalt auch vor dem bekannten Simplonadler – kein bedeutungsloser Zufall. Der Reichsadler ist ein beliebtes Symbol der deutschen Rechtsextremist:innen.
Der Vermieter der Unterkunft bestätigte gegenüber dem Walliser Newsportal «Pomona», dass die Gruppe von morgens bis abends Sport getrieben und zudem Nachtübungen durchgeführt habe. Aber die Gäste waren keine unschuldige Sportgruppe. Die Identitäre Bewegung Deutschland wird vom deutschen Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistische Bestrebung und als fremden- sowie islamfeindlich eingestuft. Sie propagiert unter anderem das Konzept des «Ethnopluralismus», nach dem unterschiedliche ethnische Gruppen möglichst getrennt voneinander leben sollen.
Die Gruppe hatte sich offenbar nicht unter dem Namen der Identitären Bewegung bei der Alp Apljen angemeldet. Nach Angaben des Vermieters buchten die Männer unter dem Namen einer Privatperson. Er habe deshalb zunächst nicht gewusst, welche Organisation hinter der Gruppe stand.
Die Bewegung selbst bezeichnet ihr Treffen auf dem Simplon als «Bundeslager 2026». In einem Beitrag zum Lager schreibt sie, was im bürgerlichen Alltag «abstumpfe», werde im Bundeslager «geschärft». Die Inszenierung ist Teil der politischen Strategie der Identitären. Die Bewegung spricht insbesondere jüngere Menschen an und versucht, rechtsextreme Positionen über eine moderne Bildsprache und öffentlichkeitswirksame Aktionen zu verbreiten.
Polizei will nichts gewusst haben
Besonders widersprüchlich sind die Angaben zur Kenntnis der Behörden. Der Gemeindepräsident von Simplon Dorf habe nichts von dem Aufenthalt gewusst. Auch die Walliser Kantonspolizei erklärte auf Anfrage, ihr lägen keine Informationen über eine rechtsextreme Gruppe vor. Gleichzeitig sagte der Vermieter, er sei von der Polizei zur Gruppe befragt worden.
Damit stellen sich mehrere Fragen: Wann erfuhren die Behörden vom Aufenthalt? Wurde die Gruppe bereits während ihres Aufenthalts überprüft? War der Nachrichtendienst des Bundes informiert? Und wurde geprüft, ob einzelne Teilnehmer wegen ihrer Aktivitäten in Deutschland oder anderen europäischen Ländern ein Risiko für die öffentliche Sicherheit darstellen? Bisher haben weder Pomona noch andere Medien diese Fragen gestellt.
Nicht das erste Mal auf dem Simplon
Besonders brisant: Nach Angaben des Vermieters war die IBD offenbar nicht zum ersten Mal in der Unterkunft auf dem Simplon. Er sagte gegenüber «Pomona», die Organisation habe bereits vor drei Jahren einige Tage dort verbracht.
Die Schweiz wird damit vermehrt zum sicheren Rückzugsort für rechtsextreme Netzwerke. So trafen sich im Oktober 2025 Dutzende Personen aus dem Umfeld der identitären und rechtsextremen Szene in einem Bergdorf oberhalb von Locarno. Unter den Teilnehmern waren auch führende Vertreter der Schweizer Gruppe «Junge Tat» sowie der flämische Rechtsextremist Dries Van Langenhove.
Auch die Junge SVP hat sich mit europäischen, identitären Gruppen getroffen. Strategiechefin Sarah Regez hatte 2023 an einem Treffen mit Martin Sellner, Aktivist der rechtsextremen Identitären Bewegung in Österreich, teilgenommen. Die Organisation übernommen haben die rechtsextreme Junge Tat, die JSVPlerin distanzierte sich später nicht von Sellner. Inzwischen ist Regez Landrätin im Baselbiet – ein erschreckender Beweis dafür, dass Rechtsextremismus in der Schweiz schon lange Teil der politischen Institutionen ist.
SP Schweiz fordert Aufklärung und Konsequenzen
Die SP Schweiz hat angekündigt, in der kommenden Session parlamentarische Vorstösse einzureichen, um die Vorgänge rund um das Treffen auf dem Simplon aufzuarbeiten. Die zuständigen Behörden müssen gemäss der Partei gemeinsam mit den deutschen Behörden klären, wer das Bundeslager organisiert und geleitet hat und welche Personen daran teilgenommen haben. Die SP fordert zudem, dass das Fedpol bei den identifizierten Organisatoren und führenden Teilnehmer individuell überprüft, ob die Voraussetzungen für ein Einreiseverbot erfüllt sind. Gemäss der gesetzlichen Grundlage kann das Fedpol Menschen aus dem Ausland, die potenziell die innere Sicherheit der Schweiz gefährden, die Einreise verbieten.
Die SP hat zudem bereits 2023 mittels Postulat vom Bundesrat verlangt, einen umfassenden Bericht zur Verbreitung und dem Gefahrenpotenzial radikaler, verschwörungstheoretischer Gruppierungen in der Schweiz zu erarbeiten. Bis heute hat der Nachrichtendienst des Bundes keinen Bericht vorgelegt. «Rechtsextremismus muss endlich genauer beobachtet, statistisch erfasst und ganzheitlich bekämpft werden», so die Partei in ihrer Mitteilung.
lal


Ja genau, es ist DRINGEND, dass man diesen Leuten auf die Finger schaut!! Sie NICHT mehr in die Ch einreisen lassen!! DANKE für Ihre wichtige Arbeit und Information!!
Danke einmal mehr für die Information mit dem Direkt-Magazin.
Ernst nehmen, gezielt Fakten sammeln und zum Handeln aufrufen. Wäre schön, wir würden von erfolgreichen Massnahmen durch die Behörden erfahren. IBD und die Junge Tat darf man nicht „machen lassen“.
Die Schweiz darf kein Trainingslager für radikalisierte Gruppen aus dem Ausland sein. Wer solchen demokratiefeindlichen Gruppen Platz gewährt macht sich mitschuldig!