Start Gesellschaft Arbeitszeitverkürzung: Die Angst der Arbeitgeber vor gesunden Angestellten

Arbeitszeitverkürzung: Die Angst der Arbeitgeber vor gesunden Angestellten

Grossangelegte Pilotprojekte in diversen Ländern zeigen die positiven Effekte einer Arbeitszeitverkürzung oder 4-Tage-Woche. Immer mehr Unternehmen verkürzen deshalb die Arbeitszeit ihrer Angestellten. Doch bürgerliche Politiker und Arbeitgeberverbände in Europa wollen davon nichts wissen und drängen auf längere Arbeitszeiten.

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Zahlreiche Pilotversuche zeigen deutlich: Angestellte profitieren von einer Arbeitszeitverkürzung bei gleichem Lohn genauso wie der Betrieb. Die Motivation steigt, weil Privatleben und Arbeit besser unter einen Hut gebracht werden können, die psychische Gesundheit nimmt zu, damit auch die Resilienz.

Die Arbeit bleibt nicht liegen, sondern wird effizienter erledigt. Zudem sinkt die Fluktuation, weil die Angestellten gerne in einem Betrieb arbeiten, der sich um ihr Wohlergehen sorgt. Kurz: Es ist eine Win-Win-Situation.

Es erstaunt deshalb kaum, dass der Grossteil der an den Pilotversuchen teilnehmenden Unternehmen die kürzeren Arbeitszeiten beibehalten. So auch in Schweden: 10 von 11 Betrieben entschieden sich dauerhaft für das Modell. Schauen wir uns jedoch die gesetzlichen Vorgaben und die Entwicklung bei der Arbeitszeit an, ist klar: Die Erkenntnisse aus den Pilotversuchen sind noch nicht bei allen politischen Entscheidungsträger:innen angekommen.

Arbeitgeber auf dem Merz-Irrweg

Das zeigt auch der ideologische Kampf der Rechten gegen die Teilzeitarbeit. Der Begriff «Lifestyle-Teilzeit», den der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz Angang des Jahres in die Debatte einbrachte und der von Arbeitgeberverbänden seither immer wieder zitiert wird, zementiert die Idee, wer nicht mindestens 42 Stunden seiner Woche in Lohnarbeit investiert, faul und egoistisch ist.

Ignoriert wird dabei, dass Stress und Druck stetig zunehmen, dass Erholung schwieriger wird, dass unbezahlte Sorgearbeit nicht nur die Betreuung der eigenen Kinder umfasst. Gleichzeitig ist vor allem in der Schweiz die Produktivität und damit auch die Rendite massiv gestiegen und liegt auf einem überdurchschnittlich hohen Niveau. Gleichzeitig stagnieren die Löhne im Tief- und Mittellohnsektor.

Das kapitalistische Versprechen, mehr Arbeit und Produktivität lohnen sich für die Arbeiter:innen, wurde schon lange als Märchen entlarvt. Lohnenswert ist beides nur für die Anhäufung von Kapital.

Angestellte sollen noch länger arbeiten

In Deutschland und der Schweiz wird nicht nur gegen Teilzeitarbeit gewettert und kürzere Arbeitszeit verhindert, sondern das Arbeitsgesetz wird Stück für Stück ausgehöhlt. Während in Deutschland mit dem neuen Reformpaket der Bundesregierung Angestellte bereits ab dem ersten Krankheitstag ein Arztzeugnis vorlegen sollen, wird in der Schweiz an den Ruhetagen und den Arbeitszeitregelungen gerüttelt.

Der Nationalrat entscheidet bald über eine Standesinitiative aus Zürich, die fordert, dass es künftig schweizweit zwölf statt vier Sonntagsverkäufe geben darf. Gleichzeitig fordert FDP-Ständerat Thierry Burkart in einer parlamentarischen Initiative eine massive Ausweitung der maximal zulässigen Arbeitszeit im Homeoffice. Er will die Zeitspanne, die den Angestellten für die Erledigung ihrer Arbeit zur Verfügung steht, von 14 auf 17 Stunden erhöhen.

Die Meinung der Bevölkerung geht jedoch in eine etwas andere Richtung: Einer Studie von Sotomo zufolge sind mehr als zwei Drittel der Schweizer:innen der Meinung, dass hierzulande zu viel gearbeitet wird. Bisher blieben jedoch die Wünsche der Bevölkerung zur Arbeitszeitreduktion von den bürgerlichen Parteien ungehört.

jsc/lal


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