
Die Interact Media Group AG (IMG) aus Köniz BE, die Nau.ch betreibt, hat ein bedeutendes Geschäft gemacht: Sie kaufte 22 Gratis-Anzeiger aus dem Gebiet zwischen Aargau und dem Bodensee auf. Der ehemalige Eigentümer dieser Blätter, SVP-Urgestein und Milliardär Christoph Blocher, hat sich dafür in den Verwaltungsrat der IMG eingekauft. Seine Tochter Rahel Blocher und Andreas Schaffner, der hauptberuflich Verwaltungsrat ist, sind nun Teil davon.
Zahlreiche kleine Lokalblätter
Das heisst: Rahel Blocher behält Kontrolle über die Gratiszeitungen, die ihr Vater nun verkauft hat. Gleichzeitig kann sie neu auch bei Nau.ch mitentscheiden, einer News-Plattform, die laut eigenen Angaben vier Millionen Nutzer:innen pro Monat registriert.
Unter den verkauften Publikationen finden sich Titel wie die «Oberthurgauer Nachrichten» oder der «Rheintaler Bote». Hinzu kommt auch das bekannte «Tagblatt der Stadt Zürich», das 2018 vom Tamedia-Konzern an Blocher verkauft wurde. Oder besser gesagt: Das Tagblatt wurde der Zeitungshaus AG verkauft, die Blocher mit Markus Somm gegründet hat. Somm war Blochers Biograph und ist heute Chefredaktor des rechtskonservativen Magazins Nebelspalter.
Blocher steigt ein, aber Nau soll «politisch neutral» bleiben
Über die Kaufsumme herrscht Verschwiegenheit. Es liegt aber nahe, dass ein Teil durch eigene Aktien der Interact-Gruppe beglichen wurde, mutmasst das Berner Nachrichtenportal Hauptstadt.
Der CEO von IMG, Yves Kilchenmann, greift an der Medienkonferenz kritischen Fragen vor und unterstreicht die politisch neutrale Haltung der Medienmarken. Trotzdem gibt es Anlass zur Sorge: Christoph Blocher ist dafür bekannt, Medien mithilfe seiner Tochter Rahel Blocher aufzukaufen und dann einen redaktionellen Rechtsrutsch zu provozieren.
Ein Beispiel: Vor 16 Jahren besorgte der damalige Chefredaktor der Basler Zeitung, Blochers erwähnter Freund Markus Somm, der Robinvest AG 2010 ein Beratungsmandat. Gleichzeitig sorgte er intern dafür, dass die Redaktion rechter wurde. Schritt für Schritt näherte sich Christoph Blocher der Zeitung: 2011 kaufte Rahel Blocher die Aktien vom bisherigen Verwaltungsratspräsidenten, dann investierte ihr Vater rund 100 Millionen in die Infrastruktur der BaZ. 2014 erlangte der alt Bundesrat schliesslich einen Drittel der BaZ-Aktien.
Diese Parallele deutet auf ein internationales Muster der rechten Superreichen hin. Was die Familie Blocher und ihre Holding Robinvest für Geschäfte machen, ist lediglich die Weiterführung einer längerfristigen Strategie. Es ist wahrscheinlich, dass sie und ihre Finanzstrukturen den Medienbereich weiter infiltrieren werden und so politischen Einfluss gewinnen. Andere Milliardäre beeinflussen die Medien auf die genau gleiche Weise – so etwa Jeff Bezos in den USA, die Berlusconis in Italien oder Vincent Bolloré in Frankreich.
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