Zwölf anstatt vier Sonntagsverkäufe soll es in Zukunft schweizweit geben dürfen. Das fordert eine Standesinitiative aus dem Kanton Zürich. Im April hat bereits der Bundesrat bekannt gegeben, dass er die Ausweitung der Sonntagsarbeit unterstützt. In der Sommersession hat der Ständerat aber entschieden, nicht auf die Vorlage einzutreten. Der Entscheid fiel mit 21 zu 20 Stimmen äusserst knapp aus. Doch nun geht die Standesinitiative in den Nationalrat, denn die zuständige Nationalratskommission will daran festhalten und hat den Antrag auf nicht eintreten abgelehnt.
Auf dem Rücken der Angestellten
Begründet wird die Ausweitung der Sonntagsverkäufe mit der schlechten Wirtschaftslage. Eine «Flexibilisierung» der Ladenöffnungszeiten würde die Wirtschaftsleistung erhöhen, so steht es in der Standesinitiative. Wer darin aber völlig ausgeblendet wird, sind die Angestellten, die diese Ausweitung tragen müssen.
Denn die Belastung im Detailhandel ist bereits heute sehr hoch. Die Angestellten müssen oft unter hohem Druck, bis spät am Abend und am Samstag arbeiten – dann, wenn die meisten anderen frei haben. Und das zu Löhnen, die oft kaum zum Leben ausreichen, zumal die bürgerliche Mehrheit im Parlament auch höhere Mindestlöhne bekämpft.
Gesundheitsschutz bleibt auf der Strecke
Der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB) betont in einer Medienmitteilung, dass das oberste Ziel des Arbeitsgesetzs der Gesundheitsschutz der Angestellten ist. Mit der geplanten Ausweitung der Sonntagsarbeit rückt dieses Ziel nun weiter in den Hintergrund. «Mehr Sonntagsarbeit geht auf Kosten von Erholung, Freizeit sowie gesellschaftlicher Teilhabe und bedroht die Gesundheit der Arbeitnehmenden», schreibt der SGB.
Vorteil für grosse Ladenketten
Pilotversuche zeigen zudem deutlich, dass nur grosse Läden von dieser Ausweitung profitieren dürften: Kleine Geschäfte profitieren kaum von den zusätzlichen Stunden und Sonntagen. Für sie rechnet sich der Aufwand im Verhältnis zum Ertrag von zusätzlichen Tagen nicht. Zusätzliche Sonntagsverkäufe vermögen daher den Druck auf den Detailhandel durch rund um die Uhr zugänglichen Online-Handel nicht zu lösen. Die Bürgerlichen lassen damit KMU links liegen.
Stimmbevölkerung dagegen
Neben dem SGB kritisiert auch die SP Schweiz den «inakzeptablen Angriff auf den Schutz der Lohnabhängigen» scharf. Zudem hat sich auch die Stimmbevölkerung in jüngster Vergangenheit mehrfach gegen die Ausweitung der Ladenöffnungszeiten ausgesprochen. So zum Beispiel in St. Gallen, wo bereits vier Vorlagen zu längeren Öffnungszeiten verworfen wurden. Auch in Bern hat der Regierungsrat erst kürzlich einen Pilotversuch zur Ausweitung der Ladenöffnungszeiten am Samstag in der Berner Innenstadt Ende 2025 gestoppt.
jsc



